Weißer Phosphor

19 Jan

Phosphor  bedeutet „lichttragend“, vom Leuchten des weißen Phosphors bei der Reaktion mit Sauerstoff abgeleitet, ist ein chemisches Element mit dem Symbol P und der Ordnungszahl 15. Im Periodensystem steht es in der fünften Hauptgruppe oder Stickstoffgruppe.

Weißer Phosphor ist die flüchtigste und reaktivste Modifikation des Phosphors. Er besitzt eine Dichte von 1,82 g/cm3, einen Schmelzpunkt von 44,25 °C, einen Siedepunkt von 280 °C und ist durchscheinend und wachsartig. In Wasser ist er praktisch unlöslich.

In fein verteiltem Zustand entzündet sich weißer Phosphor an der Luft von selbst, ab etwa 50 °C entzünden sich auch kompakte Stücke. Daher muss weißer Phosphor unter Wasser aufbewahrt werden. Brennender Phosphor darf nicht mit Wasser gelöscht werden, da die Gefahr besteht, dass der Phosphorstaub in feine Ritzen gespült wird und sich nach Verdunstung des Wassers wieder selbst entzündet. Brennender Phosphor wird am besten mit Sand gelöscht.

Schauen wir einmal wozu dieses Teufelszeug führen kann:

  • Die Wunden seien wie normale Brandverletzungen behandelt worden. Doch am nächsten Tag hatten sich zum Entsetzen der Ärzte unter den Verbänden klaffende Brandlöcher gebildet. Die Muskulatur war teilweise bis auf die Knochen ausgefressen – durch weißen Phosphor, der immer weiter brennt, manchmal eine Woche lang, bis die Substanz aufgezehrt ist. (Tagesspiegel)
  • „Weißer Phosphor kann Häuser niederbrennen und schreckliche Verbrennungen verursachen, wenn er die Haut berührt“, so Marc Garlasco, Militäranalyst bei Human Rights Watch.
  • Die Wunden müssen sofort und so tief wie möglich ausgeschnitten und gesäubert werden. Manchmal beginnt das Gewebe sogar während der Operation wieder zu brennen. Viele Opfer bleiben ihr Leben lang entstellt. Schon Verbrennungen von zehn Prozent der Haut können zum Tod führen, weil auch Leber, Herz und Nieren zerstört werden.
  • In seiner reinen Form hat Phosphor eine weiße Farbe. Weißer Phosphor ist die gefährlichste Form des Phosphors, er ist hochgiftig und in vielen Fällen war dessen Aufnahme tödlich. Die meisten Personen, die an der Aufnahme von weißem Phosphor gestorben sind, hatten versehentlich Rattengift geschluckt. Vor dem Tod kommt es dabei meist zu Brechreiz, Magenkrämpfen und Benommenheit. Weißer Phosphor kann auch zu Hautverbrennungen führen und diese Verbrennungen verursachen wiederum Schäden an Leber Herz und Nieren.

Betrachten wir doch einmal den aktuellen Einsatz von Weissem Phosphor in kriegerischen Auseinandersetzungen in den letzten Jahren.

  • Im April 2004 in der irakischen Stadt Falludscha berichtete die North Country Times, dass Weisser Phosphor durch die amerikanischen Streitkräfte benutzt wurde. Im November 2005 berichtete der italienische Fernsehsender RAI in einem Beitrag mit Erzählungen von Augenzeugen, welche allem Anschein nach die bereits vor einem Jahr kursierende Gerüchte bestätigen, wonach US-Truppen auch in der Häuserschlacht chemische Kampfstoffe eingesetzt hätten.
  • Einige Tage später mitte November 2005 bestätigt das amerikanische Verteidigungsministerium gegenüber der britischen BBC, „Wenn sie feindliche Kräfte haben, die aus versteckten Positionen agieren, so dass ihre hochexplosive Artillerie keine Auswirkungen hat und sie sich wünschen diese Leute aus ihren Verstecken herauszubekommen, dann ist eine Möglichkeit die Verstecken mit weissen Phosphor zu beschiessen. Die Kombination aus Feuer und Rauch, wird in einigen Fällen sie aus ihren Löchern aufschrecken so dass man sie dann mit Sprengstoff töten kann.“ Hier ein sehr guter Beitrag über den Einsatz von weissem Phosphor im Irak auf democracynow.org
  • Auch im Libanonkrieg zwischen der schiitischen Miliz Hisbollah und Israel, im Juli 2006 der 33 Tage andauerte, wurde weisser Phosphor eingesetzt. Die israelische Zeitung „Haaretz“berichtete, dass  der israelische Minister Jaakov Edri, nach einer entsprechenden Anfrage einer Abgeordneten den Einsatz von Phosphorbomben im Libanon-Krieg bestätigte. Über 1.200 Libanesen wurden während des Krieges getötet und über 4.400 verletzt. Auf der Seite der Israelis kamen 44 Menschen ums leben, 690 wurden verletzt.
Laut dem libanesischen Arzt Dr. Hussein Hamid al-Shel, wurden 3 Körper eingeliefert die vollständig schwarz und grün waren, ein charakteristisches Merkmal von Phosphor.
  • Die Militäroffensive der israelischen Armee „Gegossenes Blei“ begann am 28. Dezember 2008 statt und richtete sich gegen die Bevölkerung im Gazastreifen. Laut Amnesty International: „Die Offensive war mit Kriegsverbrechen und schwerwiegenden Verletzungen des humanitären Völkerrechts einhergegangen. Die israelischen Streitkräfte führten willkürliche und unverhältnismäßige Angriffe gegen die Zivilbevölkerung durch; medizinisches Personal wurde attackiert und getötet und palästinensische Zivilpersonen als „menschliche Schutzschilde“ missbraucht. Auf dicht besiedelte Gebiete wurden Bomben mit weißem Phosphor abgeworfen. Mehr als 1380 Palästinenser, darunter über 330 Kinder und Hunderte von Zivilpersonen, kamen ums Leben. Der Großteil des Gazastreifens wurde dem Erdboden gleichgemacht und dabei lebenswichtige Infrastruktur zerstört. Die Wirtschaft kam zum Erliegen, zugleich wurden Tausende von Palästinensern obdachlos.“
Die „New York Times“ hat inzwischen berichtet, dass in Gaza-Stadt Granatenfragmente mit der Aufschrift M825A1 gefunden wurden. Dabei handelt es sich um Phosphorgranaten aus US-Produktion. Die Geschosse des Kalibers 155 Millimeter setzen bei der Explosion 116 mit weißem Phosphor getränkte Filzkeile frei, die sich beim Kontakt mit Sauerstoff entzünden und fünf bis 15 Minuten lang eine Rauchwand erzeugen.
  • Phosphor wurde schon von Armeen im 1. und 2. Weltkrieg benutzt. Auch im Vietnamkrieg in den 60ern wurde Phosphor von amerikanischen und britischen Armeen umfangreich verwendet.

Und was sagt das Internationale Recht zum Einsatz von Phosphorbomben?

  • Wegen schwerer Verletzungen, die die Substanz erzeugt, ist in den letzten Jahrzehnten den Einsatz von Phosphormunition gegen zivile oder militärische Ziele zu nutzen verboten worden.
  • Umstritten ist, ob Phosphorbomben nicht nur als Brandwaffe, sondern wegen ihrer Giftigkeit auch als chemische Waffe anzusehen sind; deren Einsatz würde gegen die Chemiewaffenkonvention verstoßen.
  • Aber als Rauchmittel ist weisser Phosphor laut der Genfer Konvention allgemein erlaubt.

Interessant oder?

Eure Lina.

Ach du bist mein Schatz …

13 Jan
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Die besten Ideen für einen Blogbeitrag kommen durch die Gespräche mit Freunden. So auch für diesen, der durch ein sehr amüsantes Gespräch mit einer guten Freundin entstanden ist. Wir ewigen Singles fragen uns natürlich ständig, wie sich Paare in Beziehungen verhalten. Besonders der liebevolle Akt, das Objekt der Begierde beim Namen zu nennen fasziniert unsereins.

Nun will ich die unglaublich romantischen, lustigen und naja auch langweiligen Kosenamen von Menschen in Beziehungen zusammenfassen.

Eines meiner Lieblingspärchen (sowohl optisch als auch charakterlich) nennt sich unglaublich liebevoll “Bebiş” das ist türkisch und ist die verniedlichte Form von “Baby”. Beide sind so zuckersüß, dass ich auch nichts anderes von ihnen erwartet habe. In Gegenwart von Freunden, nennen sich beide aber ganz seriös beim Namen.

Ein anderes Paar hält es sehr klassisch und nennt sich Schatz, Baby oder Maus. Im Falle einer Streitigkeit werden beide dann ganz ernst und nennen sich beim vollen Namen. Dies ist nämlich gar nicht so unüblich. Fast alle Paare geben an, dass sie in Streitsituationen vom Kosenamen ablassen und den Ernst der Lage durch das erwähnen des vollen Namen verdeutlichen.

Bei diesem süssen Paar wurde der Vorname der Dame einfach durch Maus ersetzt. Sie nennt ihn dagegen ganz klassisch Schaaaatz, mit einem sehr lange A. Wenn beide alleine sind nennt sie ihn dagegen ganz liebevoll Hase 🙂

Ein Multikultipaar neckt sich dagegen sehr häufig und nutzt die Vielfalt der Sprachmöglichkeiten. In spaßigen Situationen nennen sie sich Fetti, Klops oder Kololagak (eine Verniedlichung für Klops). Er würde sie “Tesoro” (italienisch für Schatz) nennen und sie ihn ganz klassisch „Schatz“ oder auch einmal „Eierkopf“.

Ein anderes knüller Pärchen hat ein ganz spezielles Ritual. Sie beginnt die meisten ihrer Gespräche mit “Ama ama ama Aşkıııııım” (Aber, aber, aber mein Schaaaaatz), worauf hin er ganz liebevoll mit “Ne ne neeeee?” (Was, was, waaaaas?” antwortet. Ein herrliches Balzverhalten, wie ich finde.

Die folgende Dame hat eine ganz spezielle Eigenart, wenn sie nach ihrem Gatten ruft. “Ekreeeem? – Ekrem!! – Ekrem?? In mehrfacher Betonung mit deutscher Aussprache mit einer besonders deutschen Betonung des R’s. Er würde sie ganz sanft und liebevoll “Meine Turteltaube” nennen. Hach, wie süß!

Mein Lieblings „Asipaar“ dagegen ist besonders sanft und emotional, wenn es darum geht sich zu rufen. Auf Platz 1 rangiert “Feeeeetsack” mit einem sehr langen E. Sie fügt dann wahlweise eine Frage oder Aussage hinzu und in komischen Situationen lediglich ein für sich stehendes „Fettsack“. Sie würden auch häufig „Dickes Ding“ nennen 😀 Er dagegen nennt sie ganz romantisch “Aşkım” (Mein Schatz), „Schatz“ oder mit „Fettsack“. Wenn sie mal krank sei, gäbe es einen speziellen Kosenamen, mit dem er sie rufe, der wie folgt lautet “Bazille”. Weitere Kosenamen für sie seien “Pinguin“ oder „Ente”, bezogen auf ihre Gangart 😀 That’s LOVE.

Viele Paare nennen ihren Partner zwar „Schatz“ aber auch Anspielungen auf das Gewicht kommen nicht ganz so selten vor. Das necken, des Gegenübers steht wohl bei einigen Paaren mit Sinn für Humor im Vordergrund. Das verdeutlich, die freundschaftliche Beziehung der Partner.

Ein anderes Paar nennt sich wohl überwiegen „Schatz“ oder „Schnuckiputz“. Aber auch hier ist erkennbar, dass die Körperform in den Vordergrund gerät, wenn beide sich necken wollen. Dann kann es auch mal “Fettsack” oder “Schwabbel” werden.

Ein weiteres Multikultipaar benutzt gerne “Canım” (Liebling),  “Baby” oder “Azizam”. Doch diese Kosenamen werden lediglich in der schriftlichen Kommunikation benutzt. Diese im Alltag auszusprechen, trauen sich wohl beide nicht. Da muss das klassische “Schatz” dann herhalten. Auch bei diesem charmanten Paar, kommen die vollen Namen erst ins Spiel, wenn man sauer aufeinander ist.

Aber die mit Abstand beste, süßeste und unglaublich amüsanteste Liebesbekundung habe ich bei meinen Lieblingspaar beobachtet. Beide sind so entzückend, dass mich die bloße Beobachtung in vollkommene Zufriedenheit versetzt. Dabei benutzen beide lediglich ein Wort, “Babe”. Die Dialoge verlaufen dann in etwa so, zumindest in meiner Wahrnehmung:

“Babe? Babe! Aber Babe? Ja Babe? Wieso Babe? Ok Babe!” Und ich könnte ihnen Stundenlang zusehen und zuhören 😀

Ich finde es herrlich, wenn Liebende sich spezielle Kosenamen oder Bezeichnungen ausdenken. Wir müssen endlich weg kommen von diesem 0815-Schatz-getue. Ich bitte euch alle, fangt an individuelle und persönliche Begriffe zu erfinden.

Nein zum Schatz, Ja zur Kreativität 😀 hahaha so, jetzt ist aber genug!!

Eure Lina.

Der Tod des Schlächters

11 Jan

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Ariel Sharon ist tot.

Der ehemalige Ministerpräsident Israels lag schon seit acht Jahren im Wachkoma, er wurde künstlich am Leben gehalten. Er war praktisch schon tot, doch war es ihm nicht gegönnt von dieser Welt zu gehen.

Sharon bleibt uns in Erinnerung durch das Massaker von Sabra und Schatila, einem palästinensischen Flüchtlingslager im Libanon. Zwischen dem 16. und 18. September 1982 wurde das Flüchtlingslager von phalangistischen Milizionären (maronitisch-christlichen) gestürmt und unter den Augen der israelischen Soldaten, wurden Frauen, Kinder und Alte verstümmelt, gefoltert, vergewaltigt und getötet. Die Zahl der Opfer konnte nie wirklich geklärt werden Es soll sich dabei um über 3.000 Zivilisten handeln. Eine der grausamsten und fürchterlichsten Massaker des 20. Jahrhunderts.

Das Massaker wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 16. Dezember 1982 als Genozid gewertet:

„The General Assembly, (…)

Appalled at the large-scale massacre of Palestinian civilians in the Sabra and Shatila refugee camps situated at Beirut,

Recognizing the universal outrage and condemnation of that massacre, (…)

1. Condemns in the strongest terms the large-scale massacre of Palestinian civilians in the Sabra and Shatila refugee camps;

2. Resolves that the massacre was an act of genocide.“

Sharon war zu dieser Zeit Oberbefehlshaber der israelischen Armee und hat dieses Massaker stillschweigend gebilligt. Aber nicht nur dieses Ereignis macht ihn zu einer der kontroversesten und bösartigsten Figuren im Nahostkonflikt. Sein provokanter Besuch des Felsendoms im September 2000 führte zum Beginn der zweiten Intifada (Aufstand) der Palästinenser.

Sharon steht für die arrogante und selbstherrliche Politik Israels gegenüber den Palästinensern. Seine Verachtung für die Palästinenser hat er nie verheimlicht, Diplomatie war nie seine stärke. Sein Tod wird zwar keine realpolitischen Veränderungen an der Situation der Palästinenser haben, doch für all die gebrochenen, gebrandmarkten und geschwächten Menschen, für die Sharon ein Symbol ihrer Hoffnungslosigkeit war, ist sein Tod eine Genugtuung. Denn ein menschliches Kapitel der Zerstörung und des Schmerzes wird somit zu Grabe getragen. Für all diejenigen voller Hoffnung auf Gerechtigkeit durch eine höhere Macht, ist sein Tod ein Gerichtsurteil. Sie sind zuversichtlich, dass er diesmal seiner gerechten Strafe nicht entkommen wird. Wenn nicht auf Erden, dann im Jenseits.

Ich trauere nicht, denn die Welt ist um einen bösartigen Menschen ärmer.

Eure Lina.

Heimatliebe

6 Dez

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Dieses Foto ist für mich Heimat. Wenn ich es sehe, denke ich zurück an meine Kindheit und fühle ein wohlig warmes Gefühl in der Magengegend. Meine Augen fangen an zu leuchten und ein lächeln legt sich auf meine Lippen. Ich spüre die Wärme, das Glück und die Freude aus meiner Kindheit. Ich erinnere mich an die schönen Tage in einem Land, dass mir fremd war und doch so bekannt. An die Trinkhalle, wo ich jeden Tag gemischte Bonbons für 50 Pfennig kaufte und mein Taschengeld verprasst. Im Sommer kaufte ich für alle Freunde Wassereis, denn ich wollte dass wir alle diesen Genuss teilten. Am islamischen Fest nach der Fastenzeit haben unsere Mütter uns rausgeputzt und wir stürmten durch die Strassen und klingelten bei türkischen Bekannten. Wir bekam oft farbenfrohe Bonbons ohne Geschmack, die berühmten gemischten Karamellbonbons aus Aldi und manchmal sogar Geld. Dann wollten wir kein „gelbes“ Geld sondern die silbernen Groschen. Oft waren es 10 Pfennig, manchmal 50 und ganz selten bekamen wir 1 Mark. Auch bei Fremden haben wir geklingelt, manchmal waren die Deutschen Damen überrascht und etwas verwirrt, wir wollten Süssigkeiten, dann kamen sie mit Schokolade zurück. Wir haben am Ende des Tages unsere Beute gezählt und den Gewinner des Tages gekürt.

Es waren unsere Strassen, unser Gebiet. Wir kannten jeden auf der Strasse, denn es war unser Ort. Der bekannte Ort der Unbekannten. Meine Mutter musste jeden Tag die Fenster putzen, denn der Hochofen war ständig in Betrieb. Die Fensterbank war immer schwarz. Aber ich fand es nicht schlimm, denn so war es nunmal. Alle hatten Arbeit, auch mein Vater. Jedes mal wenn er sich fertig machte um die Nachtschicht anzutreten, flehte ich ihn an mich mit zunehmen. Denn ich wollte sehen wo mein Vater arbeitet. Es war unser Hochofen, Thyssen war für mich mehr als nur ein Name. Es war ein Stück Heimat.

Die Luft in meinem Heimatort war immer etwas zu grau, immer etwas zu matt und immer etwas zu dreckig. Dennoch wollte ich nie weg. Wenn wir im Sommer für 6 Wochen in der Türkei waren wollte ich zurück. Sehnte mich nach meinem Bett, nach meiner Strasse, nach meiner Stadt. Wenn wir in eine andere Stadt fuhren und die Menschen alle deutsch sprachen, war ich oft überfordert und fragte meinen Vater, wieso die Menschen alle deutsch sprachen. Denn bei uns sprachen doch alle Türkisch. Ich mochte es deutsch zu sprechen, so berichtet mir meine Mutter. Eifrig führte ich nicht enden wollende Dialoge mit unserem polnischen Nachbarn, einem Soldaten aus dem 2. Weltkrieg. Ich war für ihn etwas besonderes, voller Leben und Energie. Ich habe ihn oft zum einkaufen begleitet, wo er mir alles kaufte was ich wollte. Auf dem Rückweg nach Hause verteilte ich alles an fremde Kinder. Darüber beschwerte er sich wohl bei meiner Mutter. Aber ich wollte doch, dass die anderen Kinder sich auch freuen. Wenn meine Mutter mit mir schimpfte, wusste ich immer dass es einen Ort gibt an den ich flüchten konnte. Ich hatte einen Plan B, dabei war ich doch erst 4 Jahre alt. Auch mein „Opa“ war für mich Heimat, ein schönes Gefühl. Sein Tod traf mich sehr, ich hatte den Schmerz tief in mir begraben.

Ich liebe den Anblick meiner Stadt, den ich früher noch viel schöner in Erinnerung hatte. Ich liebe die Ordnung, die aneinander gereihten Gebäude, die Struktur. Dass ich alles kannte, wusste wo alles war. Ich erinnere mich an den Marktplatz mit seinem Spielplatz. An den Wochenmarkt am Freitag, an die vielen Bekannten die man dort antraf. Ich erinnere mich an das Fenster, unter dem wir uns mit Freunden immer getroffen haben, wo wir ständig Dinge vorfanden und dachten, dass es ein „Zauberort“ war. An den Kastanienbaum, auf den wir versuchten zu klettern und den Spielplatz der Kirche, wo wir ständig eingebrochen sind.

Ich erinnere mich an so vieles, was ich so sehr geliebt habe und was es nicht mehr gibt. Denn alles verändert sich, auch meine Stadt. Sie ist nicht mehr die selbe Stadt, ich bin auch nicht mehr das kleine Mädchen. Fast drei Jahrzehnte sind vergangen, doch meine Erinnerungen an meine geliebte Stadt bleiben. Dieses Gefühl einer glücklichen Kindheit.

Wo ist Heimat? Da wo dein Herz ist? In meinem Herzen ist meine Stadt, mit den vielen Erinnerungen. Ich möchte diese Erinnerungen niemals vergessen.

Ich liebe dich, meine Stadt, meine Heimat.

Deine Lina.

Sex in the City

24 Okt

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Seit kurzem habe ich meine neue Wohnung in Berlin bezogen und muss sagen, Altbau is the best! Hohe Decken, lichtdurchflutete Zimmer, grosse Fenster, angenehm geschnittene Zimmer und charmante Architektur sprechen für den Altbau. Ich wusste dass die zu dünnen Wände ein Problem sein könnten aber kam zum Schluss dieses Opfer bringen zu müssen. Da hatte ich die Rechnung nicht mit meinen Nachbarn gemacht. Es handelt sich um Studenten, Künstler und Kreative junge Leute. Anfangs dachte ich noch, cool. Jetzt sage ich, oh nein!

Fangen wir damit an, dass ich mein Zimmer bezogen aber meinen Fernseher noch nicht angeschlossen habe. Ausserdem besitze ich kein Radio. Und auch keine Mitbewohnerin. Also fallen alle Lärmquellen weg, die eine Wohnung so mit sich bringt. Und da liegt nun mein Problem, ich höre alles was meine Nachbarn so machen. Und sie machen eine Menge! Leider!

Erst kürzlich, während ich meine Zähne putzte, vernahm ich merkwürdige Geräusche. Da in meiner Wohnung Totenstille herrscht, vernehme ich die leiseste Aktion. Ich versuchte das Geräusch einzuordnen und dachte erst es handle sich um eine verletzte Katze. Denn das Geräusch kam und ging mit einigen Unterbrechungen. DANN dämmerte es mir, es war die Stimme einer Frau, einer ziemlich zufrieden gestellten Frau! Oder war es doch einfach ein lauter Porno.

Liebesprotokoll meiner Nachbarn:

Erste Wahrnehmung meiner sexuell aktiven Nachbarn um 19h. Frau macht sich innerhalb von 15 Minuten 3 mal deutlich bemerkbar. Erste Annahme ein lauter Porno, doch durch dumpfe Geräusche, wahrscheinlich das Bett, was überstrapaziert wird, doch echte zwischenmenschliche Aktion.

Nun schon nach 20h, Frau wieder ziemlich laut. Lese die Geo Epoche über den 30 Jährigen Krieg  und werde deutlich aus der Thematik gerissen. Es handelt sich eindeutig um keine Katze und kein Filmchen. Ich frage mich, ob ihnen nicht langweilig wird.

Jetzt haben wir schon kurz vor 22h und ich will nun schlafen aber die Totenstille führt dazu, dass ich auch alles registriere. Dumpfe Geräusche werden wieder lauter, Frau wieder ziemlich zufrieden gestellt und ich entgeistert. Nun bin ich tatsächlich zu einer 80 jährigen Frau mutiert, aber ohne Katzen!

Am folgenden Tag wiederholt sich der Prozess. Alles wieder auf Start, ab 20h geht’s wieder rund. Nun mischt mein Nachbar unter mir mit, mit seinem Super-Soundsystem. Ich spüre den Bass, eindeutig zu intensiv. Und obendrein kommt es mir so vor, als ob meine Nachbarin im Nebenzimmer zufrieden gestellt.  „Warum ich? Was habe ich bloss verbrochen“ geht mir durch den Kopf. Gute Nacht!

Nächster Tag und ich räume meine Wohnung ein. Höre nun nebenbei Musik, sehr laut. Ok nur so laut wie es mein iPhone zulässt. Und dennoch, ich höre sie, laut und deutlich. Kann es sein, dass es einfach nur eine Einbildung ist? Jeden Tag, so lange, so laut, so glücklich? Ist es möglich? Menschlich machbar? Viele Fragen schiessen mir durch den Kopf. Eventuell ist es nur ein „Einweihungstest“ so was wie, wird die diesen Spiessrutenlauf überleben und weiterhin hier wohnen bleiben? Den Gedanken verwerfe ich schnell….

Sie haben einfach nur Spass und ich warte darauf, dass mein Gas freigeschaltet wird. Bis dahin wickele ich mich in meine 3 Decken ein und trinke Tee. Vielleicht wird mir ja dann warm ums Herz.

Eure Lina

Sexismus, eine unendliche Geschichte

3 Okt

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Und wieder beglückst uns Axe mit einer Reihe von purem Sexismus. Die neue Axe Werbereihe fokussiert sich diesmal auf „reife“ Frauen, die jungen Männern den Kopf verdrehen. Aber es wäre nicht die Werbestrategie von Axe, wenn die sogenannten reifen Frauen nicht aussehen würden wie makellose junge Frauen.

Der Sexismus hat sich mittlerweile so weit vorgearbeitet, dass Frauen im „reifen“ alter eingetrichtert wird, sie müssten aussehen wie junge Frauen. Viele alternde Models und Schauspielerinnen bestätigen diesen Trend. Den alt aussehen ist nicht en vogue. Was alt ist, sollte gefälligst frisch und knackig aussehen, egal was die Natur davon hält.

Männern gefällt diese Bemühung der Frauen, immer sexier, attraktiver und perfekter aussehen zu wollen. Diese Bilder prägen sich in unser Unterbewusstsein, wenn wir ständig mit solcher Werbung berieselt werden.

Lächerlich, wenn Frauen diesen sexuellen Fantasien nachgeben und sich demütigen lassen. Denn sie machen sich das Leben unnötig schwer und rennen hinter einem Ideal her, was kaum zu realisieren ist. Wer damit beginnt, nur noch dafür zu leben Männerfantasien zu erfüllen, bleibt was die Selbstachtung angeht auf der Strecke.

Berlin

10 Sep

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Nun bin ich seit knapp über einer Woche in Berlin und werde vorerst aus der deutschen Hauptstadt berichten. Wie ich Berlin finde?

Ziemlich gross und riesig. Besonders die grossen Strassen haben mich fasziniert. Lustig finde ich, dass auf den Strasse unterschiedlichste Sprachen gesprochen werden. Das liegt vor allem an der Masse an Touristen, die sich durch die gesamte Stadt ausbreiten. Vor allem englisch und spanisch habe ich bis jetzt ziemlich häufig gehört. Und die Kleidung! Wie die ganzen Leute aussehen! Jeder Stil ist vertreten und der sogenannte „Hipster“ ist tatsächlich wie eine Plage und überall. Sie sehen aus wie Obdachlose und bezahlen für diesen Stil Unmengen an Geld und fühlen sich ziemlich anders und hipp, so erzählte mir ein Berliner. Und eine Kreuzbergerin beschwerte sich über die vielen gutbürgerlichen Einwohner (u.a. Schwaben), die mittlerweile den Stadtteil überrennen würden. Ein Resultat seinen ziemlich hohen Immobilienpreise. Aus dem ehemaligen Ghetto wurde tatsächlich ein In-Viertel wo alle abends zusammen kommen um ihr Bierchen zu kippen. Schon etwas befremdlich aber Stadtteile sind aktive und verändern sich stetig.
Mal was ganz anders, es gibt hier eindeutig zu viele Rossmann-Filialen! An jeder Ecke einen! Dabei bin ich doch ein loyaler dm-Kunde. Ob ich mich daran gewöhnen werde? Wahrscheinlich nicht.
Naja um sich in der Stadt zurecht finden zu können braucht jeder einen Stadtplan mit S- und U-Bahn Linien! Denn man kann wirklich jede Ecke der Stadt erreichen, dabei sind Fusswege von 5-10 Minuten nicht sonderlich unnormal. Aber fast alles fährt bis nach Mitternacht. Einfach ideal für jemanden der kein Auto hat.

Aber das, was mich am allermeisten in Berlin überrascht und stört sind die ganzen Fahrradfahrer. Sie sind überall, dreist, nervig, dominant und zahlenmäßig zu viel! Sie fahren auf Gehwegen und nehmen kaum Rücksicht auf die Fußgänger! Überall sind sie, wirklich überall. Und da ich so eben aus der türkischen Hauptstadt gekommen bin, wo Fahrräder eine exotische Rarität sind bin ich überfordert. Nichtsdestotrotz, die Fahrradfahrer sind nervig! Erst heute früh wäre ich von einem fast überfahren, also gefährlicher als so mancher Autofahrer. Es würde mich nicht wundern, wenn ich bald selber ein Fahrrad besitzen würde 🙂

Naja, das waren nun die ersten Eindrücke. Mal schauen wie sich das entwickelt. Bis bald.

Eure Lina.

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