Archive | Reise RSS feed for this section

Where is the Foundation?

27 Okt

                                        Die Flaggen wehen am Grabe Arafats.

Außer den emotionalen und beängstigenden Momenten im Heiligen Land, gab es auch einige sehr witzige. Zu den Palästinensern fällt mir spontan ein Begriff ein- hilfsbereit. Immer wenn wir nicht weiter wussten, standen sie einem mit Rat und Tat zur Seite. Sehr häufig ein freundliches Lächeln auf den Lippen, so habe ich sie kennen gelernt. Und manchmal wollten sie sogar helfen, auch wenn sie keine Ahnung hatten worum es ging. Das haben meine Begleiterin und ich erleben müssen. Wer die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Ramallah sucht, der erlebt eine Überraschung. Aber liest selbst.

Zuerst muss gesagt werden, dass wir Ramallah erkunden wollten. Wir haben köstliches, italienisches Eis gegessen und sind dann weiter durch die Straßen flaniert. Dann kamen meiner Begleiterin und mir die Idee, wir könnten einen Abstecher zur Rosa-Luxemburg-Stiftung machen und uns über die Lage vor Ort informieren. Zwar hatten wir eine Adresse, doch wussten wir nicht so recht, wie wir dort hin kommen konnten. Ein Taxi wollten wir, ausnahmsweise nicht nehmen. Wie in allen Regionen der Erde, verwandeln sich Taxifahrer in Raubtiere mit gierigem Verhalten, wenn sie Ausländer chauffieren sollen.

So wandten wir uns an die Polizisten, die am Verteilerkreis ihrer Arbeit nach gingen. Englisch konnten sie, doch keiner wusste die Adresse einzuordnen. Es wurden eilig Taxifahrer herbeigerufen. Die waren dann aber ebenfalls überfordert, oder zumindest taten sie so. Wir blickten uns ratlos an. Und jetzt? Dann kam der Hinweis, wir sollten einfach grade aus weiterlaufen. Nach ein paar Kilometern, würden wir zur Adresse gelangen. So richtig überzeugt waren wir zwar nicht, aber immerhin hatten wir nun eine Richtung, der wir folgen konnten.

Wir ahnte, dass wir auf dem falschen Weg waren. Also wandten wir uns nach einigen Metern an einen weiteren Polizisten. Er war mehr als herzlich und freundlich, verstand leider kaum englisch. Mit Händen, Füßen und basic Arabischkenntnissen versuchte meine Begleiterin ihm unser Ziel zu erläutern. Genau in dem Moment, als wir dachten, dass er es verstanden hätte, gab er zu nicht zu wissen, was wir suchten. Aber er war fest entschlossen uns zu helfen. Eine Passantin wurde gestoppt und gefragt, ob sie englisch sprechen kann. Sie bejahte, aber konnte dann doch nicht wirklich englisch und die Adresse kannte sie ebenfalls nicht. Dann wurden zwei, vermutlich Palästinenser aus Amerika (ihr Akzent war very american) gestoppt und gefragt, ob sie uns helfen könnten.

Das Grundproblem war, niemand konnte mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung etwas anfangen. Foundation? Denkpause.
Ahhh, you mean the Embassy. The German Embassy. Erneut blickten wir uns ratlos an. Die haben es nicht verstanden? Nein! Nein, wir suchen nicht die Botschaft, sondern die Foundation. Your know, Rosa-Luxemburg-Foundation? From Germany. In dem ganzen hin und her, begann unser engagierter Polizist an zu telefonieren. Er war dabei die Adresse der deutschen Botschaft zu erfragen. Mit Mühe und Not konnten wir ihn dazu bringen, das Telefonat abzubrechen.

Wir wollten doch gar nicht zur deutschen Botschaft!

Nach unendlichen Minuten des erklärens, schienen sie uns doch verstanden zu haben. Es hieß, laufen sie die Straße entlang und dann auf die andere Straßenseite, in die Straße, wo der große Platz ist. Dann nach rechts und danach links. Aber es ist ein langer Weg. Viel Erfolg.
Ok, dann Abmarsch. Wir liefen und liefen und liefen. Ah, da war der große Platz mit den vielen Flaggen. Und dann einmal rechts, ok. Komisch, dass wirkt hier etwas offiziell und groß. Hier soll die Stiftung sein. Hmm. Jetzt noch einmal links abbiegen.

Und dann standen wir davor, es war eindeutig nicht die Stiftung. Wir standen nämlich vor Arafats Mausoleum. Erst vor ein paar Wochen hatte ich dieses Denkmal im Fernsehen gesehen. Hier stand Abbas (Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde) und legte einen Kranz auf Arafats Grab nieder. Es war der Tag seiner Rückkehr aus New York, wo er vor der UN-Vollversammlung gesprochen hatte und die Mitgliedschaft Palästinas bei der UNO beantragt hatte.
Und nun stand ich hier. Es war ein surreales Gefühl. Stand ich wirklich hier oder war es nur eine Szene aus den Nachrichten. Um es zu realisieren, bedurfte es einiger Minuten. Und dann gingen wir hinein. Ich sprach ein Gebet für seine Seele.

Auf dem Rückweg waren wir froh dort gelandet zu sein. Es war zwar nicht die Stiftung aber Arafats Grab wollten wir ebenfalls besuchen. Wir mussten beide lachen. Wer in Ramallah Arafats Grab besuchen möchte, fragt einfach nach der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Das hatten wir gelernt 😉

Eure Lina.

%d Bloggern gefällt das: