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Die Analytik der Macht bei Foucault

23 Nov

Wer ist eigentlich Michel Foucault? Er gehört zu den bedeutendsten Intelektuellen des 20. Jahrhunderts. Foucault (1926-1984) war ein französischer Philosoph, Soziologe und Begründer der Diskursanlyse. Sein Themenfeld umfasste die Machtanalyse und die Wirkung dessen auf die Subjekte. Er hat die Begriffe wie “Macht“, “Wissen“ oder “Diskurs“ präzise definiert und ihre Verwendung erläutert. Ich möchte mich auf den Begriff der Macht fokussieren.

Die „Macht- Wissen“ – Beziehung bei Foucault

Foucault behauptet, dass Macht und Wissen gemeinsam kooperieren. Dies untermauert er mit der These, dass sich die Strafpraxis im Vergleich zum 17. und 18. Jahrhundert enorm gewandelt hat. Heut zu tage sei die Bestrafung nicht mit der Marter des Delinquenten erledigt. Im Bereich der Strafpraxis würde man auf Wissen in Form von Psychiatrien, der Pädagogik und der Medizin zurückgreifen. Für ihn besteht also eine Relation zwischen Macht und Wissen. Das eine würde dem anderen nicht blockierend im Wege stehen. Vielmehr bestünde ein Zustand der gegenseitigen Förderung und Ergänzung. Foucault bezeichnet dies als konstitutive Macht. Es muss der Schluss gezogen werden, dass Foucault ein monokausales Ergänzungsschema definitiv ausschließt.

Das gemeinsame Agieren von Macht und Wissen könnte dazu führen, dass die Disziplinierung nicht mehr alleine im Bereich des Gefängnisses aus geübt wird, sondern eine ganze Gesellschaft zu kontrollieren und einer Norm an zu passen versuchen könnte.

In Überwachen und Strafen erläutert Foucault ganz genau wie Macht und Wissen sich gegenseitig einbeziehen.

„Eher ist wohl anzunehmen, (…) dass Macht und Wissen einander unmittelbar einschließen; dass es keine Machtbeziehung gibt, ohne dass sich ein entsprechendes Wissensfeld konstituiert, und kein Wissen, das nicht gleichzeitig Machtbeziehungen voraussetzt und konstituiert.“

Das Wissen ist somit nicht mehr als Mittel zu verstehen, sondern ein integraler Bestandteil der Macht. Eine Beziehung zwischen der wissenschaftlichen Erfahrung und dem strategischen Handeln steht in Foucaults Theorie im Vordergrund. Zudem will er mit Hilfe des Konzepts, Macht-Wissenherausfinden, (…) wie Machtpraktiken Wissen „anwenden“ oder „ausnutzen“ und umgekehrt Wissensprozesse Macht „hervorrufen“ oder „absichern“.

Die allgemein bekannte Formulierung, Wissen ist Macht passt hier sehr gut in den Kontext. Nach Foucault, müsste noch ergänzt werden, dass auch Macht, Wissen sei. Deutlich wird die Korrelation der beiden Begrifflichkeiten.

Foucaults Definition von juridischer Macht

Die „juridische Macht“ wird nach Foucault, ausschließlich negativ ausgelegt. Mit ihr werden Begriffe wie Gesetze, Verbote, Zensur, Zwang u. ä. assoziiert. Den Grundbaustein für dieses Denken geht bis in den Absolutismus zurück. Die Alleinherrschaft von Königen und deren repressiver Umgang mit Macht sei Grund für diese Assoziationen.

Die rechtsstaatliche Macht drücke sich in Form der Gefängnisstrafe aus. In einer Gesellschaft in der das Recht auf Freiheit allen gehöre, sei die Institution Gefängnis, plausiblerweise ein Mittel zur Bestrafung. Juristisch gesehen habe das Gefängnis eine einleuchtende Zahlungsfunktion. Die Bestrafung für ein Vergehen wird dem Täter in Form von „Tagen, Monaten, Jahren“ abverlangt. Foucault verwendet hierzu die allgemeine Aussage, dass der Aufenthalt im Gefängnis das Ziel habe „um seine Schuld zu zahlen“.

Früher sei zu voreilig, unbedacht und rigoros geurteilt worden, und Grund dafür sei die unausgewogene Machtverteilung innerhalb des Staatsapparates.

Der Rechtsstaat verfolgte ab dem 18. Jahrhundert eine neue Strategie bei der Ausübung von Gewalt, so Foucault. Dazu gehörten, aus der Funktion der Bestrafung und Unterdrückung eine gesellschaftliche Gesetzmäßigkeit zu bilden; nicht weniger, sondern besser zu bestrafen, mit gemilderter Strenge, aber universell zu strafen und die Strafgewalt in den Gesellschaftskörper fest zu verankern. Der Staat würde nicht mehr das Rächen am Individuum im Blickfeld haben, sondern sich vielmehr das Hauptziel zur Züchtigung setzen.

Der Wandel vom rachsüchtigen Staat wird nun vor Augen geführt, der sich der peinlichen Marter abschwört und im Gegenzug auf die Strafung einer ganzen Gesellschaft und deren Rekrutierung besinnt. Foucault rückt auch den Aspekt des ökonomischen in das Blickfeld der „juridischen Macht“ – Konstellation. Die Politik sei der Funktion der Ökonomie untergeordnet. Dabei lehnt er sich an die marxistische Gesellschaftstheorie an. Macht hätte die Aufgabe die gegenwärtigen Produktionsverhältnisse und die Klassenherrschaft aufrechtzuerhalten.

Die „strategische Macht“ bei Foucault

Foucault stellt der negativen Konzeption von „juridischer Macht“, die „strategisch- positive“ Konzeption gegenüber. „Die Grundlage der Machtbeziehung [sei] nicht in rechtlich- ökonomischen Faktoren zu suchen (…), sondern in politisch- kriegerischen Auseinandersetzungen.“

Strategische Macht lasse sich mit Begriffen wie Krieg, Konfrontation und Kampf sehr gut umschreiben. Für Foucault ist die Macht immer in Verbindung zu bringen mit den Begriffen „Absicht“ und „Zielsetzung“. Zudem sei die Macht nie vollständig in der Hand einzelner Gruppierung innerhalb der Gesellschaft. Macht sei eine rationale Taktik, eine Strategie der man sich bedienen würde. Foucault kehrt den Satz von Clausewitz „ Die Macht ist der Krieg, der mit anderen Mitteln fortgesetzte Krieg.“, um in „ die Politik ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.“, und versucht damit die Vielfältigkeit von Kräfteverhältnissen zu unterstreichen.

Ein weiterer Aspekt der strategischen Macht sei der Widerstand. Für Foucault besteht kein Machtfreiraum. „Wo es Macht gibt, gibt es Widerstand. Und doch oder vielmehr gerade deswegen liegt der Widerstand niemals außerhalb der Macht.“

Der Widerstand ist somit ein zentraler Aspekt der Macht und führt dadurch zu einem ewig fortwährenden Balanceakt zwischen der herrschenden Macht und dem Widerstand, der sich dieser Macht entgegensetzt. Dadurch bleibt die Macht immer in Bewegung und läuft nicht Gefahr einzurosten.

Dieser (Widerstand )Aufstand kann sich in verschiedensten Formen ausdrücken. In einen „(…) möglichen notwendigen unwahrscheinlichen spontanen wilden einsamen(…) Widerstand“ nur um einige Formen zu nennen.

Man könnte die strategische Macht und den Widerstand anhand einer Münze darstellen. Die eine Seite der Münze repräsentiert die Macht, die andere Seite dagegen den Widerstand. Keines der beiden Seiten der Münze kann ohne die jeweils andere Seite Bestand haben, weil das eine sich aus der anderen entwickelt bzw. aus der anderen resultiert. 

Disziplinierung nach Foucault

Für Foucault bedeutet „Disziplin“, die Körperkraft eines Individuums zu kontrollieren und sich seiner Kräfte zu bemächtigen. Die Disziplin ziele zudem darauf ab, ein Verhältnis der gegenseitigen Nützlichkeit zwischen Körper und Machtverhältnis zu schaffen.

Bei der Disziplinierung des menschlichen Körpers stünde nicht der Einsatz von brachialer Gewalt im Vordergrund, wie es am Beispiel der Zwangsarbeit der Fall wäre. Eher würde die Disziplin mit Hilfe einer technischen Raffinesse vorangehen, und am Ende (…) unterworfene und geübte Körper, fügsame und gelehrige Körper (…) zu fabrizieren.

Die Disziplinierung sollte zudem dazu führen, die Masse in Individuen abzugrenzen und jedes einzelne Individuum seinen eigenen Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Dadurch soll einer Unübersichtlichkeit Einhalt geboten werden. Ein weiterer Aspekt der Disziplin ist die Systematisierung in Diversen Bereichen (Armee, Krankenhäuser, Schulen…), die eine rasche Austauschbarkeit der Individuen ermöglicht.

Die Kontrollmöglichkeit wird gegenüber dem Individuum erheblich gesteigert und dies ist ein Beleg dafür, dass die Gesellschaft einem Raum der permanenten Überwachung gleicht. Zudem wird die Allgegenwärtigkeit der Macht von Foucault vertreten. Die Macht sei überall und kein monolithischer Block, der von einem zentralen Punkt aus agieren würde.

Eine Disziplinartechnik ist das von Foucault erläuterte Panoptikum. Das Panoptikum ist ein Gebäude, welches rund angelegt ist. Zentral befindet sich ein Wachturm, von dem aus man den ganzen Gefängniskomplex zu allen Seiten überblicken kann.

Die Gefangenen dagegen haben eine eingeschränkte Perspektive, da sie sich in ihren Zellen befinden. Sie können nur den Wachturm erblicken.

Das Panoptikum hat den Vorteil, das eine einzige Person, die Möglichkeit besitzt, über alle Inhaftierten zu wachen ohne dabei von ihnen gesehen zu werden.

Das Panoptikum würde all die Disziplinarprozeduren wie „durchrationalisierende Verhaltensabläufe“, „Kontrolle und fortlaufende Überprüfung“ und „normierende Sanktionen“beinhalten und anwendbar machen. Schlussendlich ist zu sagen, dass durch das Gefühl der ständigen Überwachung eine innere Disziplinierung stattfindet und sich das Individuum dem Druck einer permanenten Kontrolle hingibt und sich ihrer unterwirft. 

Fazit

Resümierend lässt sich über den Begriff der Macht laut Foucault sagen,  dass er ihn als allgegenwärtig bezeichnet. Macht stellt für ihn nicht nur ein Gebilde dar, sondern etwas, was überall erzeugt wird. Ein anderer Aspekt der Definition ist, dass Macht besonders mit Wissen agiert. Beide Ausdrücke seien unmittelbar miteinander verbunden und würden in einer Korrelation zu einander stehen. Der juridische Machtaspekt dagegen ist marxistisch angehaucht und drückt die repressive Haltung des Staates gegenüber dem Individuum aus. Aus der Erklärung der strategischen Macht kann man entnehmen, dass sie jener Aspekt des kriegerischen in der Definition ist. Aus dem strategisch/ kriegerischen würde sich der Widerstand emporheben und somit immer als Gegengewicht parat stehen. Und schließlich die Disziplinierung der Macht, welches in unserem Alltag immer auftauche. Die Disziplinierung hat zur Folge, dass aus uns austauschbare Individuen geformt worden sind und wir uns selber disziplinieren, da wir das Gefühl haben, dass wir der ständigen Überwachung ausgeliefert sind.

Eure Lina.

Wenn Männer über Liebe und Ehe sprechen

14 Nov

In Frauenrunden kommen wir immer wieder auf einige grundsätzliche Fragen zu sprechen. Oft driften wir in die Phrasendrescherei ab und werfen mit den Klischees um uns. Einige Negativbeispiele gefällig? Männer sind alle Schweine. Sie wollen nur das Eine und haben keine Gefühle. Sie sind oberflächliche Egoisten, die den Wert einer Frau nicht kennen. Sie können nicht lieben, denn ihr Herz ist aus Stein. Außerdem können sie sich nicht binden und sind untreu.

Ist es wirklich so? Verallgemeinern wir nicht manchmal zu stark und entfernen uns somit von der Realität? Diesen Klischees wollte ich in meinem Bekanntenkreis auf den Grund gehen und habe einige Männer befragt. Unter ihnen sind glückliche und verzweifelte Singles, sowie zufriedene verheiratete Personen im Alter zwischen 20 und 38 Jahren. Sie haben alle etwas, das sie verbindet: Sie haben eine Meinung zur Liebe und Ehe. Denn das sind die Themen, mit denen ich sie konfrontiert habe.

Was bedeutet für sie die Ehe? Welche Ängste gehen mit der Vorstellung der Ehe einher? Wie definieren sie Liebe? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Liebe und Ehe? Gibt es Phasen, wo die Begriffe Liebe und Ehe sich einem Wandel unterziehen und welche Rolle spielt die Ehe noch heutzutage? Und welche Negativbeispiele aus gescheiterten Ehen dienen als Warnung?

Ich bat zum Gespräch und habe einige interessante Einblicke gewonnen. Ich muss sagen, dass ich mir nicht ganz sicher bin, ob die Antworten alle wirklich ehrlich sind. Zumindest hoffe ich es. Es wurden Single-Männer, verheiratete und sich in einer Partnerschaft befindende Personen befragt. Sie kommen alle aus demselben Kulturkreis. Dabei handelt es sich sowohl um (angehende) Akademiker, als auch um Berufstätige. Hierbei handelt es sich um Muslime, von  praktizierenden bis hin zu weniger praktizierenden. Es ist spannend zu erfahren, ob der gemeinsame kulturellere Hintergrund eine Rolle bei den Vorstellungen der Männer spielt. Die Aussagen meiner Interviewpartner werde ich separat in einzelnen Abschnitten wiedergeben. D.h. jeder Abschnitt steht für die Position eines Mannes. Ihr könnt euch am Ende eine Meinung bilden und nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden ausschau halten. Mir geht es nicht um eine Verallgemeinerung der Aussagen, sondern einen Querschnitt in die Gedanken von einigen ausgewählten Personen. Statistische Repräsentativität kann ausgeschlossen werden, dafür erfülle ich keines der wissenschaftlichen Kriterien.

Ich frage einen der Singles, ob die verheirateten Freunde aus seinem Umfeld Machos sind. Er gibt eine erstaunliche Antwort: „Das Machotum ist irgendwie ausgestorben. Wirklich. Das gibt’s noch bei meinem Vater und Onkel. Die neuen Männer trauen sich nicht so was an den Tag zu legen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“ Er meint, dass Männer, je älter sie sind, mehr Vertrauen innerhalb der Ehe haben. Ein grundsätzliches Problem bei verheirateten Paaren sei z.B. das abendliche Ausgehen mit Freunden. Ein Bekannter von ihm würde darüber klagen, dass er hin- und her gerissen sei. Auf der einen Seite würde ungern seine Frau alleine zu Hause lassen. Aber auf der anderen Seite stelle er sich die Frage, ob er sich mit ihr langweilen soll. Man könne ja schwerlich 24 Stunden aufeinander hocken.
Dieses Problem wird von vielen Singles, bei Verheirateten beobachtet und als sehr großes Problem wahrgenommen. Auf die Frage, ob Liebe von Anfang an vorhanden sei oder sich stetig aufbaue, meint er: „Sie baut sich natürlich auf. Von Anfang an? So ein Schwachsinn. Dazu hat man zu wenig Zeit miteinander verbracht.“ „Die Ehe ist etwas, was auf stabilem Fundament aufgebaut werden muss und die Liebe ist nicht stabil.“ Stabil bedeutet für ihn, dass die Mischung aus Bildungsstand, Religiosität und Charakter zusammenpassen müssen. Aussehen, finanzielle Stellung und Liebe seien dagegen relativ beweglich.

Ein anderer Single hat eine ganz spezielle Definition von Liebe und Ehe und kann sie mir sogar nur in einem Begriff zusammenfassen.
Liebe = die schönste Lüge
Ehe = Bullshit
Zur Ehe steht er folgendermaßen: „Die Ehe kann sehr schön sein, aber auch sehr schlimm. Ich persönliche finde die Ehe unnötig. Man kann sein Leben auch ohne die Ehe teilen. Sie ist irgendwie sehr offiziell. Wenn sich zwei Menschen lieben und es ernst meinen, dann brauchen sie kein Siegel dafür. Das bedeutet nicht, dass ich nie heiraten werde. Naja, man sollte nie zu großspurig reden.“

„Liebe ist, wenn man kein schlechtes Gewissen hat oder es einen nicht plagt, dass einen etwas entgeht, dass man Dinge verpasst und man deshalb die ganze Zeit daran denken muss, dass man nur einmal 25, 26 oder 30 ist.“ Für ihn drückt sich die Liebe innerhalb der Ehe folgendermaßen aus: „Mir geht es vor allem darum, dass man über alles, also über absolut aallleeesss, von unwichtigen Sachen bis hin zu Dingen, die einem nah gehen, reden kann. Dabei ist es weniger von Bedeutung, dass der Gegenüber sich gleich viel für gewisse Dinge interessiert. Es ist wichtig, dass sie weiß und es respektiert, dass es mir wichtig ist.“ Die Ehe wird seiner Ansicht nach überbewertet und oft hochstilisiert. Er sieht sie als eine Etappe, die man mit einem Partner gemeinsam meistert. Über den Zustand eines guten Freundes, der verheiratet ist, sagt er, dass dieser relativ unglücklich zu sein scheint, obwohl er eine super Frau hat und beide liebe Menschen seien. Das Problem sei die Einschränkung, wie oben erwähnt. „Weißt du, wenn es immer wieder Stress gibt, weil er mit Freunden was unternehmen möchte. Eigentlich ist es das Hauptproblem. Die denken dann, das mit der Ehe die Jugend verfliegt und man automatisch so wie Papa mit einem Ford Transit in die Türkei fahren muss.“ Ein Zitat möchte ich noch einbringen, was er im Bezug auf die Ehefrau eines seiner Freunde erwähnt. Dies gilt zum Teil als Warnung an die Damen: „Klar sollte man nichts ausarten lassen. Aber wenn ich schon an dieses hässliche, mit Hintergedanken behaftete „Viel Spaß“ denke, was seine hässliche Frau dem hinterher ruft, kriege ich das Kotzen!“

Ein nun glücklich und zufrieden verheirateter findet klare und eindeutige Worte zur Liebe. „Liebe ist selbstlos. Sie definiert sich nicht dadurch, dass man erst geliebt werden will und dann lieben kann, sondern liebt ohne darüber nachzudenken. D.h. Freude durch Gegenfreude.“ Und im Scherz und mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu, dass die „Die Ehe ist der Reinfall auf eine Frau, wo man nicht so ohne weiteres wieder raus kommt.“ Er muss es wissen, denn schließlich ist seine Geschichte speziell. Den ersten Wunsch zum heiraten verspürte er mit 18 Jahren. Dann mit 24. Aber beide Male hatte es nicht geklappt. Mit 30 hatte es nun endlich funktioniert, aber das ganze hielt lediglich drei Monate. Zu unterschiedlich waren die Vorstellung der beiden über Liebe und Ehe. Dann schließlich mit 37 hätte es erneut gefunkt und funktioniert. „InsAllah, so Gott will, hält es bis ins Jenseits.“

Für ihn ist die Liebe etwas Wunderbares und beinhaltet die bedingungslose Bindung an die geliebte Person. Man müsse die Person mehr lieben als sich selber. Die Konsequenz würde bedeuten, dass die geliebte Person auch verlassen werden kann, weil man ihr das Leid und die Pein ersparen möchte. Er ist glücklich verheiratet und ist ein Mensch der mitten im Leben steht und sich in einer großen Community bewegt. Zur Ehe sagt er. „Sie ist eine Institution. Sie hat Vor- und Nachteile und man heiratet um bei dem geliebten Schöpfer seine Schuld zu begleichen. Liebe und Ehe funktionieren ganz gut. Die Liebe ist meist der Anlass für die Ehe.“ Seine Frau, die er später vorgestellt bekam, entsprach rein nach den Fakten so gar nicht seiner Traumvorstellung. Sie erfüllte keine der Kriterien, die für ihn von essentieller Bedeutung waren. Und dennoch ist er von ihr entzückt und findet die Entscheidung zur Eheschließung absolut richtig. Auf die Frage, was er denn glaubt, warum so viele Ehen scheitern gibt er eine klare Antwort: „Meistens sind es Kommunikationsschwächen, Glücksspiel oder Fremdgehen.“ Oftmals würden die Männer Fremdgehen, weil es in der Ehe zur fehlenden sexuellen Befriedigung komme. Sein nüchterne Bilanz „90% aller Männer gehen fremd.“ Er betont, dass er kein Therapeut sei und sich mit dieser Materie nicht detailliert auskenne. Aber seinen Beobachtungen im Umfeld zur Folge sieht es etwas düster aus: „Grundsätzlich ist es leider so, dass selbst Muslime ihre ersten sexuellen Erfahrungen vor der Ehe sammeln. Die Frauen sind, zumindest in den konservativen Kreisen in der Regel unerfahren. Statt über sexuelle Bedürfnisse zu sprechen, wird alles erduldet. Irgendwann jedoch platz die Naht und es wird über belangloses gestritten. Das eigentliche Problem wird nicht angesprochen.“ Sein etwas gewöhnungsbedürftiges Fazit lautet: „Ein Seitensprung kann in Ausnahmefällen tatsächlich sogar Ehen retten.“ Sagt der Mann, wie denken wohl die Frauen darüber. Genauso wohlwollend?

Ein weiterer, überzeugter Single definiert Liebe als „Emotion. Es ist ein Gefühl der Zuneigung gegenüber einer Sache, Dingen und Menschen. Ist sehr universell. Ich finde sie angenehm und wertvoll und sie nimmt an Intensität zu, je stärker wir es der anderen Person zeigen.“ Für ihn hat Liebe auch etwas mit Sexualität zu tun. Besonders in der ersten Phase der Beziehung. Für ihn steht fest, man muss sich definitiv anziehend finden. Sein Fazit lautet: „Die Liebe ist auf jeden Fall vergänglich!!!“ Sie verwandelt sich im Idealfall in Respekt um. Das bedeutet für ihn, man respektiert die Zeit, die man mit diesem Menschen zusammen verbracht hat. Wichtige Einflussfaktoren, die unser Liebesverständnis prägen seien „Film und Musik. Wir werden sehr stark davon beeinflusst.“ Die Verliebtheit sieht er als chemischen Prozess an, die auf keiner Logik basiert. „Die Ehe ist ein Abkommen. Zwei Menschen treffen eine Entscheidung, du gehörst mir und ich dir. Das ist die Sehnsucht nach Geborgenheit und Schutz.“ Als gesellschaftlicher Akt hat der Status Ehe Vorteile. „Man wirkt auf andere vertrauenswürdiger und moralischer. Die Glaubwürdigkeit nimmt zu und man hat eine Vorbildfunktion“ Als Person mit vielen verheirateten Freunden, hat er eine gute Sicht, um die Menschen um sich herum zu beobachten und Schlüsse ziehen zu können. Deshalb frage ich ihn, nach den möglichen Gründen, weshalb so viele Ehen scheitern.
„Die Menschen sind manipuliert durch die Medien und streben nach Perfektion. Man wird schnell unzufrieden mit dem eigenen Partner. Durch Film, Medien und Musik wird der Anschein erweckt, dass der eigene Partner nicht perfekt genug sei. Irgendwie ist es eine Manipulation der Wirklichkeit.“ Eine Horrorgeschichte hat er ebenfalls parat. Ein Bekannter ging in der Hochzeitsnacht zu einer Prostituierten, weil seine frisch angetraute Ehefrau keinen Sex haben wollte. Beide damals um die 20. Er meint, beide seien unglücklich verheiratet. Sein Bekannter würde ständig über seine Ehefrau nörgeln, nun schon seit acht Jahren. Die größte Angst der Männer vor der Ehe sei die Endgültigkeit. Das Prinzip Game Over. „Es geht um den Verlust der totalitären Entscheidungsfreiheit. Besonders ein und denselben Sexualpartner haben zu müssen. Dann könnte eine Art Monotonie aufkommen und der Sex würde nur noch langweilig und formell werden.“ Er ist wohl nicht der einzige Mann, der vor dieser, natürlich äußerst gruseligen Vorstellung Angst hat.

Ein frisch verheirateter ist der Ansicht, dass die Ehe eine Art von Geborgenheit und Rückhalt biete. Man sei auf jeden Fall abgesichert. Außerdem würde man Verantwortung tragen, sei im Gegenzug von Ängsten befreit. Denn man könne von nun an die Zukunft gemeinsam planen, mit all seinen positiven und negativen Seiten. Zur Liebe sagt er: „Es ist ein menschliches Bedürfnis. Sie ist nicht begrenzt auf zwei Menschen und ist der Nährboden der Moral. Denn dadurch können wir moralische Urteile fällen. Eine Grundliebe ist nötig für die Ehe. Aber dieses ‚Besondere’ muss nicht vorhanden sein.“ Eine besonders schöne und liebevolle Anekdote hat er mir ebenfalls offenbart. Sie zeugt davon, wie sehr er und seine Frau sich ergänzen und als Team zusammenspielen. „Früher habe ich das Morgengebet immer verschlafen. Dank meiner Frau ist es nicht mehr der Fall. Denn sie weckt mich auf.“ Seit dem er verheiratet ist, wäre sein Alltag strukturierter. Über Eheprobleme würde man unter Männern nicht reden. Das findet er auch ganz gut. „Denn die Probleme die man als Ehepartner hat, dürfen nicht nach außen gelangen. So etwas macht die Ehe kaputt.“

„Ab 30 hat sich der Begriff der Liebe bei mir verändert. Ich setze mittlerweile andere Schwerpunkte. Früher ging es mir nur um das Emotionale, ohne dabei meine Ratio einzubringen. Die Logik wurde nicht berücksichtigt. Ich war eher stark von Film und Fernsehen beeinflusst und der reale Bezug fehlte völlig.
Doch nun, nach meinem 30. Lebensjahr geht es mir mehr um die Logik und den gegenseitigen Respekt. Man sollte sich als Ehepaar gegenseitig vervollkommnen. Mein Fokus liegt nun auf der Religiosität, denn ich bin selber ebenfalls sehr gläubig.“ Er ist nun ebenfalls verheiratet und sehr zufrieden mit diesem Zustand. Früher wollte er Ehe und Liebe miteinander verknüpfen. Mit den Jahren kam er aber zu einem anderen Schluss. Die bewusste Auswahl seiner potentiellen Frau stand für ihn an erster Stelle. „Ich habe von Liebe auf Logik gewechselt. Die Beispiele aus meinem Freundeskreis haben mich dabei bestärkt.“ Besondere Herausforderung nach der Ehe war der Aspekt des Teilens und der Kompromissbereitschaft. „Ich war vorher sehr eigenständig. Das fing beim Studium an, zog sich über das Reisen und die Haushaltsführung hin. Ich habe gelernt, alles selber zu erledigen und brauchte nie eine andere Person. Dann kam diese Patt-Situation.“ Er musste realisieren, dass er von nun an den Alltag mit einer anderen Person gestalten musste. Eine große Portion Kompromissbereitschaft war nötig.
Seine bittere Erkenntnis bei vielen Ehen in seinem Umfeld: „Viele gehen Fremd.“ Die Begründung blieben die Männer sich schuldig. Oft erklären sie ihr Verhalten damit, dass sie ein Mann seien und es sich von selbst erkläre. Liebesehen seien genauso vom Scheitern betroffen, weil sich die meisten kaum kennen würden. Die Herausforderung des Alltags würde die meisten Liebesehen zerstören. Die Liebe verfliege und übrig bleibe die Zweckbeziehung.

Der letzte im Bund ist ein schon länger verheirateter junger Mann. Die Verliebtheit kann man immer noch durch die Zeilen hören: „Liebe ist ein unbeschreibliches Gefühl zwischen zwei Menschen. Wenn man alles in Kauf nimmt für diesen Menschen, dann ist es Liebe. Aber ich finde, dass das Lieben schöner ist, als geliebt zu werden. Denn wenn du liebst, kannst du dir ziemlich sicher sein. Das ganze hat viel mit Opferbereitschaft ohne Erwartungen zu tun. Ich erwarte nichts Spezielle von meiner Frau, ich bin mir ziemlich sicher dass sie mich liebt ;-)“ Die Ehe ist für ihn ein legitimes Zusammensein. Diese sollte man dann eingehen, wenn man Liebe empfindet. Besonders wichtig für ein erfolgreiches Eheleben ist die Teilung privater Bereiche. Beide Ehepartner müssten, unabhängig voneinander, Freundeskreise und Hobbys haben. Das ständige Aufeinanderhocken belaste sonst die Liebe. Dass seine Frau zwei Jahre älter ist als er, störe ihn nicht. Das Scheitern vieler Ehen sieht er skeptisch. „Alte Traditionen werden aufgeweicht und man lebt nur noch obligatorisch zusammen. Die Spielsucht ist ein enormes Problem. Oft ist es im Vorfeld nicht bekannt und zeichnet sich in der Ehe ab.“

Viele Geschichten und Ansichten wurden gehört und verarbeitet. Im Nachgang habe ich sie noch einmal für mich analysiert. Alle glauben sie an die Liebe. Dennoch schwingt bei den meisten eine Nüchternheit mit. Romantik ade, her mit der Logik. Auf dieser Grundlage sollte Mann eigentlich eine gute Auswahl treffen. Und Frau sollte sich im Vorfeld von Romantik a la Bollywood verabschieden. Unsere Herren achten auf pragmatischere Dinge. Und in der Ehe? Da wird der Begriff der Romantik durch Respekt und Achtung ausgetauscht. Würden die meisten Männer wirklich auf die fundamentalen Dinge achten, dürften wir Frauen uns glücklich schätzen. Dennoch bin ich etwas enttäuscht, dass die Männer so wenig auf die Emotionen eingegangen sind. Zwar definieren sie die Liebe als wichtiges Gefühl aber berücksichtigen sie dann in der Ehe selten bis kaum. Dann geht es nur noch um Logik. Immerhin geht es hier um die potentielle Mutter ihrer Kinder. Dass im Umkehrschluss so viele Männer Fremdgehen und sexuelle Ausschweifungen anderweitig ausleben ist ein bitterer Nebeneffekt.

Nutzt ruhig euren Verstand, der ist absolut notwendig, aber vergisst nicht auch ab und zu auf euer Herz zu hören.

Eure Lina.

Wie schätzt du dich selber ein?

20 Jul

Auf einem firmeninternen Seminar, habe ich erst kürzlich etwas sehr interessantes dazugelernt. Dabei handelt es sich um eine Persönlichkeitsfeststellung. Ich möchte im folgenden einiges aus den Folien zitieren und mit euch teilen.

„In der Betrachtung, Bewertung und Zusammenarbeit sollte die Verschiedenheit von Menschen nicht als unpassend oder lästig erachtet werden! Dann ist der Weg frei für Synergieeffekte und Steigerungen der individuellen und gemeinsamen Leistungsfähigkeit!“

Die Diversität der Persönlichkeitsmerkmal wird anhand des Modells „4 Persönlichekeitstypen und 4 Verhaltenstendenzen“ von William M Marston/Emotions of Normal People erläutert.

DER MACHER
Er ist der agierend-rationale und möchte Resultate sehen und ist immer auf der Suche nach Macht. Dabei nimmt er häufig Einfluss auf Vorgänge und Personen. Seine spezifischen Verhaltensweisen sind folgende:

  • Autonom
  • Leader
  • Ungeduldig
  • Draufgänger
  • Eher aggressiv
  • Kämpfernatur
  • Entscheidet allein und schnell
  • Individualist

DER KOMMUNIKATOR
Er ist agierend-emotional und beeinflusst dabei sein Umfeld. Seine Motivation erhält er durch die Anerkennung von anderen und ist immer auf der Suche nach dem Teamgeist. Seine spezifischen Verhaltensweisen sind folgende:

  • Beeinflusst seine Umgebung
  • Kollegial
  • Gesellig
  • Entscheidet in der Gruppe oder lässt die Gruppe entscheiden
  • Angenehm
  • Möchte gefallen
  • Braucht Humor
  • Reagiert indirekt
  • Ist auf sein Image bedacht

DER BEWAHRER
Er ist reagierend-emotional und strebt dabei nach Sicherheit. Dabei ist er bemüht, erworbenes festzuhalten und übt Vorsicht beim Verändern von Dingen oder Bedingungen. Zu seinen spezifischen Eigenschaften zählen:

  • Braucht und möchte laufend Zusicherung/Bestätigung
  • Schiebt oft Entscheidungen hinaus
  • Weicht Problemen aus
  • Entscheidet sich für jene Lösung, die das Erworbene sichert
  • Wird motiviert durch Sicherheit

DER ANALYTIKER
Er ist der reagierend-rationale. Dabei wird er von der Präzision geleitet mit besonderem Fokus auf das Detail und der technischen Perfektion. Spezifische Verhaltensweisen für ihn sind:

  • Sucht Sicherheit durch Technik
  • Nimmt sich Zeit
  • Möchte den Dingen auf den Grund gehen
  • Konzentriert sich auf Details
  • Entscheidet sich nach sorgfältiger Abklärung für die beste technische Lösung
  • Bevorzugt Akten und Schriftlichkeit
  • Wird motiviert durch Perfektion

Wichtig ist der Umgang mit dem jeweiligen Typ. Die Macher und Analytiker sind die rationalen. Die Bewahrer und Analytiker dagegen die emotionalen Typen. Beispielsweise müssen die rationalen bei dem Umgang mit den emotionalen, darauf achten, nicht direkt mit der Tür ins Haus zu fallen und sich erst du ein gepflegtes small-talk Gespräch zum Anliegen zu bewegen. Wohingegen die emotionalen darauf achten müssen, ihre Position den rationalen gegenüber klar und eindeutig zu formulieren.
Insgesamt werden 4 Hauptverhaltenstendenzen herauskristallisiert. Das persönlich bevorzugte Verhalten unterscheidet sich je nach Typ.

  • agieren
  • re-agieren
  • rational
  • emotional

Als Ergebnis für einen geeigneten und adäquaten Umgang in einer Gruppe, lässt sich folgendes Fazit zusammenfassend darstellen.

„Das Erkennen von unterschiedlichen Persönlichkeitsstrukturen macht aus „Reibungsverlusten“ einen Gewinn von Energie, wenn die persönlichen Verhaltensweisen erkannt, bewusst gemacht werden, um damit umzugehen.“

Um sich selber einschätzen zu können, sollte man folgendes Diagramm beschriften. Je nach Punkt, sollte man sich wie auf einer Skala von 0 bis 10 einordnen. Der Nullpunkt ist in der Mitte gekennzeichnet. Nachdem man sich selbst eingeschätzt hat, sollten alle Markierungen miteinander verbunden werden. Am besten schraffiert man die Fläche, damit der Schwerpunkt der eigenen Person besonders hervorsticht. Ich wünsche viel Spaß beim erkunden des eigenen Ichs 😉

Eure Lina.

Manipulieren leicht gemacht

30 Jun

Im folgenden, möchte ich euch die 10 Strategien der Manipulation von Noam Chomsky näher bringen. Besonders in Anbetracht des Bildungsniveaus in Amerika, sind die Strategien sehr gut nachvollziehbar. Aber auch hierzulande ist es keine Seltenheit, dass wir durch diverse Medien, einer latenten Manipulation ausgesetzt sind. Mit einem satirischen Unterton macht uns der bekannte amerikanische Linguist und Intellektuellen auf die Einfachheit der Manipulation aufmerksam.
Im Anschluss an Chomskys Ausführungen, möchte ich einige praktische Beispiele dazu anführen und einige der genannten Punkte veranschaulichen.

1. Kehre die Aufmerksamkeit um
Das Schlüsselelement zur Kontrolle der Gesellschaft ist es, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf unwesentliche Ereignisse abzulenken, um sie von wichtigen Informationen über tatsächliche Änderungen durch die politischen und wirtschaftlichen Führungsorgane abzulenken. Jene Strategie ist der Grundstein, der das Basisinteresse an den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Psychologie, Neurobiologie und Kybernetik verhindert. Somit kehrt die öffentliche Meinung dem wirklichen gesellschaftlichen Problemen den Rücken zu, berieselt und abgelenkt durch unwichtige Angelegenheiten. Schaffe es, dass die Gesellschaft beschäftigt ist, beschäftige sie, beschäftige sie so, damit sie keine Zeit hat über etwas nachzudenken, entsprechend dem Level eines Tieres.

2.  Erzeuge Probleme und liefere die Lösung
Diese Methode wird die „Problem-Reaktion-Lösung“ genannt. Es wird ein Problem bzw. eine Situation geschaffen, um eine Reaktion bei den Empfängern auszulösen, die danach eine präventive Vorgehensweise erwarten. Verbreite Gewalt oder zettle blutige Angriffe an, damit die Gesellschaft eine Verschärfung der Rechtsnormen und Gesetze auf Kosten der eigenen Freiheit akzeptiert. Oder kreiere eine Wirtschaftskrise um eine radikale Beschneidung der Grundrechte und die Demontierung der Sozialdienstleistungen zu rechtfertigen.

3. Stufe Änderungen ab
Verschiebe die Grenzen von Änderungen stufenweise, Schritt für Schritt, Jahr für Jahr. Auf diese Weise setzte man in den Jahren 1980 und 1990 die neuen radikalen sozio-ökonomischen Vorraussetzungen durch (Neoliberalismus): Ein Minimum an Zeugnissen, Privatisierung, Unsicherheit, und was der nächste Tag bringt, ist Elastizität, Massenarbeitslosigkeit, Einfluss auf die Höhe der Einkünfte, das Fehlen von Garantie auf gerechte Lohnarbeit.

4. Aufschub von Änderungen
Die folgende Möglichkeit auf Akzeptanz einer von der Gesellschaft ungewollten Änderung ist es, sie als „schmerzhaftes Muss“ vorzustellen, damit die Gesellschaft es erlaubt, sie in Zukunft einzuführen. Es ist einfacher zukünftige Opfer zu akzeptieren, als sich ihnen sofort auszusetzen. Zudem hat die Gesellschaft die naive Tendenz negative Veränderungen mit einem „alles wird gut“ zu umschreiben. Diese Strategie gibt den Bürgern mehr Zeit sich der Änderung bewusst zu werden und die Akzeptanz in eine Art der Resignation umzuwandeln.

5. Sprich zur Masse, wie zu kleinen Kindern
Die Mehrheit der Inhalte, die an  die Öffentlichkeit gerichtet werden, werden durch Art und Weise der Verkündung mißbraucht; Sie sind manipuliert durch Argumente oder sogar durch einen gönnerhaften Ton, den man normalerweise in einer Unterhaltung mit Kindern oder geistig behinderten Menschen verwendet. Je mehr man seinem Gesprächspartner das Bild vor den Augen vernebeln will, umso lieber greift man auf diese Technik zurück. Warum? Wenn du zu einer Person sprichst, als ob sie 12 Jahre alt wäre, dann weil du ihr genau das suggerieren möchtest. Sie wird mit höchster Wahrscheinlichkeit kritiklos reagieren oder antworten, als ob sie tatsächlich 12 Jahre alt wäre.

6. Konzentriere dich auf Emotionen und nicht auf Reflexion
Der Missbrauch des emotionalen Aspektes ist eine klassische Technik um eine rationale Analyse und den gesunden Menschenverstand eines Individuums zu umgehen. Darüber hinaus öffnet eine emotionale Rede Tür und Tor Ideologien, Bedürfnisse, Ängste und Unruhen, Impulse und bestimmte Verhaltensweisen im Unterbewusstsein hervorzurufen.

7. Versuche die Ignoranz der Gesellschaft aufrechtzuerhalten
Die Masse soll nicht fähig sein, die Methoden und Kontrolltechniken zu erkennen. Bildung, die der gesellschaftlichen Unterschicht angeboten wird, soll so einfach wie möglich sein, damit das akademische Wissen für diese nicht begreifbar ist.
 
8. Entfache in der Bevölkerung den Gedanken, dass sie durchschnittlich sei
Erreiche, dass die Bürger zu glauben beginnen, dass es normal und zeitgemäß sei dumm, vulgär und ungebildet zu sein.

9. Wandle Widerstand in das Gefühl schlechten Gewissens um
Erlaube es, dass die Gesellschaft denkt, dass sie aufgrund von zu wenig Intelligenz, Kompetenz oder Bemühungen die einzig Schuldigen ihres Nicht-Erfolges sind. Das „System“ wirkt also einer Rebellion der Bevölkerung entgegen, indem dem Bürger suggeriert wird, dass er an allem Übel schuld sei und mindert damit dessen Selbstwertgefühl. Dies führt zur Depression und Blockade weiteren Handelns. Ohne Handeln gibt es nämlich keine Revolution!

10. Lerne Menschen besser kennen, als sie sich selbst es tun
In den letzten 50 Jahren entstand durch den wissenschaftlichen Fortschritt eine Schlucht zwischen dem Wissen, welches der breiten Masse zur Verfügung steht und jenem, das für die schmale Elite reserviert ist. Dank der Biologie, Neurobiologie und der angewandten Psychologie erreichte das „System“ das Wissen über die menschliche Realität im physischen als auch psychischen Bereich. Gegenwärtig kennt das „System“ den Menschen, den einzelnen Bürger, besser als dieser sich selbst und verfügt somit über eine größere Kontrolle des Einzelnen.

Quelle

1. Die Aufmerksamkeit umkehren ist relativ simpel. Die große Bandbreite an Informationen über Prominente, Schauspieler und unwichtige Persönlichkeiten aus reichem Elternhaus füllen unseren Kopf mit trivialen Informationen, die in keinster weise unser Leben beeinflussen. Dagegen ist die Informationslage, was Gesetzesänderungen und politische Beschlüsse betrifft, nicht sehr reichlich gesät. An diese Form der Informationen zu gelangen ist um einiges mühsamer.

2.  Die Verschärfung von Sicherheitskontrollen zur eigenen Sicherheit umschreibt den 2. Punkt sehr treffend. Die kollektive Datenerfassung von Bürgern, wird in vielerlei Hinsicht damit begründet, dass es eine “Terrorgefahr‘ minimieren soll. Beispielsweise geschehen im Februar diesen Jahres in Dresden. Auf einer Anti-Nazi-Demo wurden die Handydaten von mehr als 1000 Personen erfasst und gespeichert. Siehe hier.

Veränderungen sind notwendig, denn ohne sie geht es nicht! So erklärt uns Punkt 4 warum eine Sache unbedingt gemacht werden muss. Denn der Einsatz von deutschen Soldaten in Afghanistan, ist ein Muss. Wir müssen den Frieden am Hindukusch gewährleisten. Ganz recht.

Die Vereinfachung von Sachverhalten wirkt recht Vorteilhaft, birgt aber eine große Gefahr. Die Simplifizierung von komplexen politischen Strukturen kann dazu führen, dass es zu einer Manipulation kommt. Die Rechtfertigung von Bespitzelung der eigenen Bevölkerung gehört ebenfalls dazu, wie der Einsatz von Soldaten in weiten Teilen der Welt (aktuell Libyen).

Die emotionale Beeinflussung ist eine wichtiger Punkt (6). Denn dadurch fällt die Ratio aus. Eine fatale folge von irrationalen Gründen, Erklärungen und Vorwänden, die im folgenden von der breiten Masse akzeptiert und als notwendig angesehen wird.

Besonders gefährlich ist die Tatsache, dass die breite Masse der Bevölkerung unwissend gehalten wird. Das bedeutet, dass bildungsferne Schichten, akademisches Wissen nicht aufnehmen können. Folglich ist das Scheitern an den einfachsten Fragen, ein Resultat dieser Manipulation. Siehe das schlechte abschneiden von amerikanischen Grundschülern bzgl. der Allgemeinbildung zur amerikanische Geschichte.

Punkt 8 ist besonders bei der jungen Generation deutlich zu erkennen. Dumm, vulgär und ungebildet- eine adäquate Beschreibung der MTV/POP/Hip-Hop-Generation. Reality Shows führen diese tragische Entwicklung vor Augen. Alles dreht sich darum, gut auszusehen und begehrt zu werden. ‚Fühle dich gut, mach was du willst‘ d.h. ‚ Habe hemmungslosen Geschlechtsverkehr und konsumiert ohne nachzudenken‘.

Diese Strategien führen dazu, dass die einzelne Person in einen lethargischen Zustand versetzt werden. Ihnen wird suggeriert, dass sie alleine kraftlos und schwach sind, um sich gegen ein großes ‚System‘ wehren zu können.
Doch bevor es überhaupt dazu kommen kann, dass man sich als einzelner darüber Gedanken macht, muss man aus der manipulierten Wahrnehmungswelt ausbrechen. Denn das Leben besteht nicht nur aus dem Konsum von Luxusgütern, Partys, Alkohol und Hemmungslosigkeit. Diese Dinge werden jedoch, sowohl in der Popmusik, als auch durch Filme, Serien und Zeitschriften suggeriert. Die Gedanken kreisen ewig um die selben ‚einfachen‘ Themen.

Die Probleme der sozialen Ungerechtigkeit, Armut, Ressourcenknappheit und menschlicher Ausbeutung erscheinen weit weg und man selber nicht primär betroffen. Diese Art von Problemen, so redet man uns eins, seien in Uganda, Thailand oder in Usbekistan vorzufinden, aber weiss Gott nicht in Deutschland, Frankreich oder in Großbritannien. Denn in den letzter genannten Staaten hat jeder die Möglichkeit ‚Spaß‘ zu haben und ein unbeschwertes Leben führen zu können. So lasst die Korken knallen! Die Jugend denkt fast ausschleisslich im Rhythmus von Wochenende zu Wochenende. Die Zeit dazwischen wird irgendwie überbrückt.
Diese Form der Gleichgültigkeit und verzerrter Wahrnehmung ist ein Resultat, der von Chomsky angeführten Strategie der Manipulation unserer Wahrnehmung.

Eure Lina.

Schwäche

12 Nov

Oft werden wir Zeugen von Ungerechtigkeit, die anderen widerfährt. Und oft verschließen wir die Augen und können das Leid, was anderen zugefügt wird nicht ertragen. Wir rennen weg. Sei es physisch oder psychisch. Unser Gewissen erdrückt uns. Wir wissen weder ein noch aus. Dennoch fliehen wir vor der Verantwortung einzugreifen und zu handeln. Doch fragt man die meisten Mensche, wie sie reagieren würden, wenn vor Ihren Augen eine Ungerechtigkeit geschehen würde, würde die Mehrheit behaupten einzugreifen. Die Realität sieht dagegen anders aus. Wir sind oft zu feige, als dass wir dazwischen gehen. Sind gelähmt, vor dem was sich vor unseren Augen abspielt. Wollen dazwischen gehen, doch die Angst um unser eigenes Wohlergehen stemmt sich dagegen. Riesige emotionale Betonklötze lasten auf unseren Körpern. Nicht einmal der Gedanke an eine Bewegung ist möglich. Obwohl wir Herren unserer Sinne sind und beobachten, wie sich das Elend vor uns abspielt. Weder das Opfer noch, der Beobachter sind nach der Tat dieselben. Bei beiden, hinterlassen die Geschehnisse ihre Spuren. Tiefe Gräben entstehen. Und verursacht, durch das schlechte Gewissen des nicht Handelns entsteht eine Abneigung gegenüber dem Opfer. Man beginnt, das Opfer zu verachten. Man sah die Schwäche und Hilflosigkeit des Opfers und wurde Zeuge seiner Unterlegenheit. Letztendlich ist das Resultat der Verachtung die persönliche Passivität während der Tat. Man beginnt sich selber zu hassen. Darauf folgt die Projektion der Sammlung an negativen Emotionen auf das eigentliche Opfer. Er ist das personifizierte Gewissen. Bei jedem Anblick des Opfers, wird man sich seiner eigenen Niederträchtigkeit und Schwäche bewusst. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, muss das Opfer beseitigt werden. Das Opfer ist schwach und genau diese schwäche wird verachtet. Aber der eigentlich Schwache ist der Beobachter und seine Feigheit, die ihn jeden Augenblick seines Lebens verhöhnt. Es ist aber schwer sich einzugestehen, dass man Schwach war und ist. Manchmal vergehen Monate und Jahre bis man seinen gesamten Mut zusammen nehmen kann, um sich seiner Schwäche zu stellen. Es kommt eine neue Gelegenheit in der man seine Schwäche und Angst überwinden könnte. Wird diese Chance genutzt, kann man sich den Geistern der Vergangenheit stellen. Zwar ist es nicht möglich, das Geschehene aus der Vergangenheit wieder gut zu machen. Dennoch kann verhindert werden, dass es zu einer erneuten Ungerechtigkeit kommt. Denn Courage zu zeigen ist häufig schwieriger als viele vermuten. Oft entscheiden einige Minuten darüber, ob man ins Geschehen eingreift oder sich zurück hält. Die Welt braucht Menschen, die im Angesicht von Ungerechtigkeit und dem Missbrauch von Macht nicht versteinern, sondern erwachen und einschreiten. Auch wenn dies, Konsequenzen mit sich bringen würde.

Eure Lina.

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