Weißer Phosphor

19 Jan

Phosphor  bedeutet „lichttragend“, vom Leuchten des weißen Phosphors bei der Reaktion mit Sauerstoff abgeleitet, ist ein chemisches Element mit dem Symbol P und der Ordnungszahl 15. Im Periodensystem steht es in der fünften Hauptgruppe oder Stickstoffgruppe.

Weißer Phosphor ist die flüchtigste und reaktivste Modifikation des Phosphors. Er besitzt eine Dichte von 1,82 g/cm3, einen Schmelzpunkt von 44,25 °C, einen Siedepunkt von 280 °C und ist durchscheinend und wachsartig. In Wasser ist er praktisch unlöslich.

In fein verteiltem Zustand entzündet sich weißer Phosphor an der Luft von selbst, ab etwa 50 °C entzünden sich auch kompakte Stücke. Daher muss weißer Phosphor unter Wasser aufbewahrt werden. Brennender Phosphor darf nicht mit Wasser gelöscht werden, da die Gefahr besteht, dass der Phosphorstaub in feine Ritzen gespült wird und sich nach Verdunstung des Wassers wieder selbst entzündet. Brennender Phosphor wird am besten mit Sand gelöscht.

Schauen wir einmal wozu dieses Teufelszeug führen kann:

  • Die Wunden seien wie normale Brandverletzungen behandelt worden. Doch am nächsten Tag hatten sich zum Entsetzen der Ärzte unter den Verbänden klaffende Brandlöcher gebildet. Die Muskulatur war teilweise bis auf die Knochen ausgefressen – durch weißen Phosphor, der immer weiter brennt, manchmal eine Woche lang, bis die Substanz aufgezehrt ist. (Tagesspiegel)
  • „Weißer Phosphor kann Häuser niederbrennen und schreckliche Verbrennungen verursachen, wenn er die Haut berührt“, so Marc Garlasco, Militäranalyst bei Human Rights Watch.
  • Die Wunden müssen sofort und so tief wie möglich ausgeschnitten und gesäubert werden. Manchmal beginnt das Gewebe sogar während der Operation wieder zu brennen. Viele Opfer bleiben ihr Leben lang entstellt. Schon Verbrennungen von zehn Prozent der Haut können zum Tod führen, weil auch Leber, Herz und Nieren zerstört werden.
  • In seiner reinen Form hat Phosphor eine weiße Farbe. Weißer Phosphor ist die gefährlichste Form des Phosphors, er ist hochgiftig und in vielen Fällen war dessen Aufnahme tödlich. Die meisten Personen, die an der Aufnahme von weißem Phosphor gestorben sind, hatten versehentlich Rattengift geschluckt. Vor dem Tod kommt es dabei meist zu Brechreiz, Magenkrämpfen und Benommenheit. Weißer Phosphor kann auch zu Hautverbrennungen führen und diese Verbrennungen verursachen wiederum Schäden an Leber Herz und Nieren.

Betrachten wir doch einmal den aktuellen Einsatz von Weissem Phosphor in kriegerischen Auseinandersetzungen in den letzten Jahren.

  • Im April 2004 in der irakischen Stadt Falludscha berichtete die North Country Times, dass Weisser Phosphor durch die amerikanischen Streitkräfte benutzt wurde. Im November 2005 berichtete der italienische Fernsehsender RAI in einem Beitrag mit Erzählungen von Augenzeugen, welche allem Anschein nach die bereits vor einem Jahr kursierende Gerüchte bestätigen, wonach US-Truppen auch in der Häuserschlacht chemische Kampfstoffe eingesetzt hätten.
  • Einige Tage später mitte November 2005 bestätigt das amerikanische Verteidigungsministerium gegenüber der britischen BBC, „Wenn sie feindliche Kräfte haben, die aus versteckten Positionen agieren, so dass ihre hochexplosive Artillerie keine Auswirkungen hat und sie sich wünschen diese Leute aus ihren Verstecken herauszubekommen, dann ist eine Möglichkeit die Verstecken mit weissen Phosphor zu beschiessen. Die Kombination aus Feuer und Rauch, wird in einigen Fällen sie aus ihren Löchern aufschrecken so dass man sie dann mit Sprengstoff töten kann.“ Hier ein sehr guter Beitrag über den Einsatz von weissem Phosphor im Irak auf democracynow.org
  • Auch im Libanonkrieg zwischen der schiitischen Miliz Hisbollah und Israel, im Juli 2006 der 33 Tage andauerte, wurde weisser Phosphor eingesetzt. Die israelische Zeitung „Haaretz“berichtete, dass  der israelische Minister Jaakov Edri, nach einer entsprechenden Anfrage einer Abgeordneten den Einsatz von Phosphorbomben im Libanon-Krieg bestätigte. Über 1.200 Libanesen wurden während des Krieges getötet und über 4.400 verletzt. Auf der Seite der Israelis kamen 44 Menschen ums leben, 690 wurden verletzt.
Laut dem libanesischen Arzt Dr. Hussein Hamid al-Shel, wurden 3 Körper eingeliefert die vollständig schwarz und grün waren, ein charakteristisches Merkmal von Phosphor.
  • Die Militäroffensive der israelischen Armee „Gegossenes Blei“ begann am 28. Dezember 2008 statt und richtete sich gegen die Bevölkerung im Gazastreifen. Laut Amnesty International: „Die Offensive war mit Kriegsverbrechen und schwerwiegenden Verletzungen des humanitären Völkerrechts einhergegangen. Die israelischen Streitkräfte führten willkürliche und unverhältnismäßige Angriffe gegen die Zivilbevölkerung durch; medizinisches Personal wurde attackiert und getötet und palästinensische Zivilpersonen als „menschliche Schutzschilde“ missbraucht. Auf dicht besiedelte Gebiete wurden Bomben mit weißem Phosphor abgeworfen. Mehr als 1380 Palästinenser, darunter über 330 Kinder und Hunderte von Zivilpersonen, kamen ums Leben. Der Großteil des Gazastreifens wurde dem Erdboden gleichgemacht und dabei lebenswichtige Infrastruktur zerstört. Die Wirtschaft kam zum Erliegen, zugleich wurden Tausende von Palästinensern obdachlos.“
Die „New York Times“ hat inzwischen berichtet, dass in Gaza-Stadt Granatenfragmente mit der Aufschrift M825A1 gefunden wurden. Dabei handelt es sich um Phosphorgranaten aus US-Produktion. Die Geschosse des Kalibers 155 Millimeter setzen bei der Explosion 116 mit weißem Phosphor getränkte Filzkeile frei, die sich beim Kontakt mit Sauerstoff entzünden und fünf bis 15 Minuten lang eine Rauchwand erzeugen.
  • Phosphor wurde schon von Armeen im 1. und 2. Weltkrieg benutzt. Auch im Vietnamkrieg in den 60ern wurde Phosphor von amerikanischen und britischen Armeen umfangreich verwendet.

Und was sagt das Internationale Recht zum Einsatz von Phosphorbomben?

  • Wegen schwerer Verletzungen, die die Substanz erzeugt, ist in den letzten Jahrzehnten den Einsatz von Phosphormunition gegen zivile oder militärische Ziele zu nutzen verboten worden.
  • Umstritten ist, ob Phosphorbomben nicht nur als Brandwaffe, sondern wegen ihrer Giftigkeit auch als chemische Waffe anzusehen sind; deren Einsatz würde gegen die Chemiewaffenkonvention verstoßen.
  • Aber als Rauchmittel ist weisser Phosphor laut der Genfer Konvention allgemein erlaubt.

Interessant oder?

Eure Lina.

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Eine Antwort to “Weißer Phosphor”

  1. hautelesprit Januar 27, 2014 um 14:44 #

    Sehr informativ, mi lady.

    Dass Phosphor solche Wirkungen hatte, war mir bekannt.
    Aber, dass es in dem Ausmaß benutzt wurde, erschüttert mich.

    Ich danke dir für den Beitrag!!!

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