Heimatliebe

6 Dez

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Dieses Foto ist für mich Heimat. Wenn ich es sehe, denke ich zurück an meine Kindheit und fühle ein wohlig warmes Gefühl in der Magengegend. Meine Augen fangen an zu leuchten und ein lächeln legt sich auf meine Lippen. Ich spüre die Wärme, das Glück und die Freude aus meiner Kindheit. Ich erinnere mich an die schönen Tage in einem Land, dass mir fremd war und doch so bekannt. An die Trinkhalle, wo ich jeden Tag gemischte Bonbons für 50 Pfennig kaufte und mein Taschengeld verprasst. Im Sommer kaufte ich für alle Freunde Wassereis, denn ich wollte dass wir alle diesen Genuss teilten. Am islamischen Fest nach der Fastenzeit haben unsere Mütter uns rausgeputzt und wir stürmten durch die Strassen und klingelten bei türkischen Bekannten. Wir bekam oft farbenfrohe Bonbons ohne Geschmack, die berühmten gemischten Karamellbonbons aus Aldi und manchmal sogar Geld. Dann wollten wir kein „gelbes“ Geld sondern die silbernen Groschen. Oft waren es 10 Pfennig, manchmal 50 und ganz selten bekamen wir 1 Mark. Auch bei Fremden haben wir geklingelt, manchmal waren die Deutschen Damen überrascht und etwas verwirrt, wir wollten Süssigkeiten, dann kamen sie mit Schokolade zurück. Wir haben am Ende des Tages unsere Beute gezählt und den Gewinner des Tages gekürt.

Es waren unsere Strassen, unser Gebiet. Wir kannten jeden auf der Strasse, denn es war unser Ort. Der bekannte Ort der Unbekannten. Meine Mutter musste jeden Tag die Fenster putzen, denn der Hochofen war ständig in Betrieb. Die Fensterbank war immer schwarz. Aber ich fand es nicht schlimm, denn so war es nunmal. Alle hatten Arbeit, auch mein Vater. Jedes mal wenn er sich fertig machte um die Nachtschicht anzutreten, flehte ich ihn an mich mit zunehmen. Denn ich wollte sehen wo mein Vater arbeitet. Es war unser Hochofen, Thyssen war für mich mehr als nur ein Name. Es war ein Stück Heimat.

Die Luft in meinem Heimatort war immer etwas zu grau, immer etwas zu matt und immer etwas zu dreckig. Dennoch wollte ich nie weg. Wenn wir im Sommer für 6 Wochen in der Türkei waren wollte ich zurück. Sehnte mich nach meinem Bett, nach meiner Strasse, nach meiner Stadt. Wenn wir in eine andere Stadt fuhren und die Menschen alle deutsch sprachen, war ich oft überfordert und fragte meinen Vater, wieso die Menschen alle deutsch sprachen. Denn bei uns sprachen doch alle Türkisch. Ich mochte es deutsch zu sprechen, so berichtet mir meine Mutter. Eifrig führte ich nicht enden wollende Dialoge mit unserem polnischen Nachbarn, einem Soldaten aus dem 2. Weltkrieg. Ich war für ihn etwas besonderes, voller Leben und Energie. Ich habe ihn oft zum einkaufen begleitet, wo er mir alles kaufte was ich wollte. Auf dem Rückweg nach Hause verteilte ich alles an fremde Kinder. Darüber beschwerte er sich wohl bei meiner Mutter. Aber ich wollte doch, dass die anderen Kinder sich auch freuen. Wenn meine Mutter mit mir schimpfte, wusste ich immer dass es einen Ort gibt an den ich flüchten konnte. Ich hatte einen Plan B, dabei war ich doch erst 4 Jahre alt. Auch mein „Opa“ war für mich Heimat, ein schönes Gefühl. Sein Tod traf mich sehr, ich hatte den Schmerz tief in mir begraben.

Ich liebe den Anblick meiner Stadt, den ich früher noch viel schöner in Erinnerung hatte. Ich liebe die Ordnung, die aneinander gereihten Gebäude, die Struktur. Dass ich alles kannte, wusste wo alles war. Ich erinnere mich an den Marktplatz mit seinem Spielplatz. An den Wochenmarkt am Freitag, an die vielen Bekannten die man dort antraf. Ich erinnere mich an das Fenster, unter dem wir uns mit Freunden immer getroffen haben, wo wir ständig Dinge vorfanden und dachten, dass es ein „Zauberort“ war. An den Kastanienbaum, auf den wir versuchten zu klettern und den Spielplatz der Kirche, wo wir ständig eingebrochen sind.

Ich erinnere mich an so vieles, was ich so sehr geliebt habe und was es nicht mehr gibt. Denn alles verändert sich, auch meine Stadt. Sie ist nicht mehr die selbe Stadt, ich bin auch nicht mehr das kleine Mädchen. Fast drei Jahrzehnte sind vergangen, doch meine Erinnerungen an meine geliebte Stadt bleiben. Dieses Gefühl einer glücklichen Kindheit.

Wo ist Heimat? Da wo dein Herz ist? In meinem Herzen ist meine Stadt, mit den vielen Erinnerungen. Ich möchte diese Erinnerungen niemals vergessen.

Ich liebe dich, meine Stadt, meine Heimat.

Deine Lina.

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Eine Antwort to “Heimatliebe”

  1. hautelesprit Dezember 6, 2013 um 19:21 #

    Einfach nur:

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