Die Analytik der Macht bei Foucault

23 Nov

Wer ist eigentlich Michel Foucault? Er gehört zu den bedeutendsten Intelektuellen des 20. Jahrhunderts. Foucault (1926-1984) war ein französischer Philosoph, Soziologe und Begründer der Diskursanlyse. Sein Themenfeld umfasste die Machtanalyse und die Wirkung dessen auf die Subjekte. Er hat die Begriffe wie “Macht“, “Wissen“ oder “Diskurs“ präzise definiert und ihre Verwendung erläutert. Ich möchte mich auf den Begriff der Macht fokussieren.

Die „Macht- Wissen“ – Beziehung bei Foucault

Foucault behauptet, dass Macht und Wissen gemeinsam kooperieren. Dies untermauert er mit der These, dass sich die Strafpraxis im Vergleich zum 17. und 18. Jahrhundert enorm gewandelt hat. Heut zu tage sei die Bestrafung nicht mit der Marter des Delinquenten erledigt. Im Bereich der Strafpraxis würde man auf Wissen in Form von Psychiatrien, der Pädagogik und der Medizin zurückgreifen. Für ihn besteht also eine Relation zwischen Macht und Wissen. Das eine würde dem anderen nicht blockierend im Wege stehen. Vielmehr bestünde ein Zustand der gegenseitigen Förderung und Ergänzung. Foucault bezeichnet dies als konstitutive Macht. Es muss der Schluss gezogen werden, dass Foucault ein monokausales Ergänzungsschema definitiv ausschließt.

Das gemeinsame Agieren von Macht und Wissen könnte dazu führen, dass die Disziplinierung nicht mehr alleine im Bereich des Gefängnisses aus geübt wird, sondern eine ganze Gesellschaft zu kontrollieren und einer Norm an zu passen versuchen könnte.

In Überwachen und Strafen erläutert Foucault ganz genau wie Macht und Wissen sich gegenseitig einbeziehen.

„Eher ist wohl anzunehmen, (…) dass Macht und Wissen einander unmittelbar einschließen; dass es keine Machtbeziehung gibt, ohne dass sich ein entsprechendes Wissensfeld konstituiert, und kein Wissen, das nicht gleichzeitig Machtbeziehungen voraussetzt und konstituiert.“

Das Wissen ist somit nicht mehr als Mittel zu verstehen, sondern ein integraler Bestandteil der Macht. Eine Beziehung zwischen der wissenschaftlichen Erfahrung und dem strategischen Handeln steht in Foucaults Theorie im Vordergrund. Zudem will er mit Hilfe des Konzepts, Macht-Wissenherausfinden, (…) wie Machtpraktiken Wissen „anwenden“ oder „ausnutzen“ und umgekehrt Wissensprozesse Macht „hervorrufen“ oder „absichern“.

Die allgemein bekannte Formulierung, Wissen ist Macht passt hier sehr gut in den Kontext. Nach Foucault, müsste noch ergänzt werden, dass auch Macht, Wissen sei. Deutlich wird die Korrelation der beiden Begrifflichkeiten.

Foucaults Definition von juridischer Macht

Die „juridische Macht“ wird nach Foucault, ausschließlich negativ ausgelegt. Mit ihr werden Begriffe wie Gesetze, Verbote, Zensur, Zwang u. ä. assoziiert. Den Grundbaustein für dieses Denken geht bis in den Absolutismus zurück. Die Alleinherrschaft von Königen und deren repressiver Umgang mit Macht sei Grund für diese Assoziationen.

Die rechtsstaatliche Macht drücke sich in Form der Gefängnisstrafe aus. In einer Gesellschaft in der das Recht auf Freiheit allen gehöre, sei die Institution Gefängnis, plausiblerweise ein Mittel zur Bestrafung. Juristisch gesehen habe das Gefängnis eine einleuchtende Zahlungsfunktion. Die Bestrafung für ein Vergehen wird dem Täter in Form von „Tagen, Monaten, Jahren“ abverlangt. Foucault verwendet hierzu die allgemeine Aussage, dass der Aufenthalt im Gefängnis das Ziel habe „um seine Schuld zu zahlen“.

Früher sei zu voreilig, unbedacht und rigoros geurteilt worden, und Grund dafür sei die unausgewogene Machtverteilung innerhalb des Staatsapparates.

Der Rechtsstaat verfolgte ab dem 18. Jahrhundert eine neue Strategie bei der Ausübung von Gewalt, so Foucault. Dazu gehörten, aus der Funktion der Bestrafung und Unterdrückung eine gesellschaftliche Gesetzmäßigkeit zu bilden; nicht weniger, sondern besser zu bestrafen, mit gemilderter Strenge, aber universell zu strafen und die Strafgewalt in den Gesellschaftskörper fest zu verankern. Der Staat würde nicht mehr das Rächen am Individuum im Blickfeld haben, sondern sich vielmehr das Hauptziel zur Züchtigung setzen.

Der Wandel vom rachsüchtigen Staat wird nun vor Augen geführt, der sich der peinlichen Marter abschwört und im Gegenzug auf die Strafung einer ganzen Gesellschaft und deren Rekrutierung besinnt. Foucault rückt auch den Aspekt des ökonomischen in das Blickfeld der „juridischen Macht“ – Konstellation. Die Politik sei der Funktion der Ökonomie untergeordnet. Dabei lehnt er sich an die marxistische Gesellschaftstheorie an. Macht hätte die Aufgabe die gegenwärtigen Produktionsverhältnisse und die Klassenherrschaft aufrechtzuerhalten.

Die „strategische Macht“ bei Foucault

Foucault stellt der negativen Konzeption von „juridischer Macht“, die „strategisch- positive“ Konzeption gegenüber. „Die Grundlage der Machtbeziehung [sei] nicht in rechtlich- ökonomischen Faktoren zu suchen (…), sondern in politisch- kriegerischen Auseinandersetzungen.“

Strategische Macht lasse sich mit Begriffen wie Krieg, Konfrontation und Kampf sehr gut umschreiben. Für Foucault ist die Macht immer in Verbindung zu bringen mit den Begriffen „Absicht“ und „Zielsetzung“. Zudem sei die Macht nie vollständig in der Hand einzelner Gruppierung innerhalb der Gesellschaft. Macht sei eine rationale Taktik, eine Strategie der man sich bedienen würde. Foucault kehrt den Satz von Clausewitz „ Die Macht ist der Krieg, der mit anderen Mitteln fortgesetzte Krieg.“, um in „ die Politik ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.“, und versucht damit die Vielfältigkeit von Kräfteverhältnissen zu unterstreichen.

Ein weiterer Aspekt der strategischen Macht sei der Widerstand. Für Foucault besteht kein Machtfreiraum. „Wo es Macht gibt, gibt es Widerstand. Und doch oder vielmehr gerade deswegen liegt der Widerstand niemals außerhalb der Macht.“

Der Widerstand ist somit ein zentraler Aspekt der Macht und führt dadurch zu einem ewig fortwährenden Balanceakt zwischen der herrschenden Macht und dem Widerstand, der sich dieser Macht entgegensetzt. Dadurch bleibt die Macht immer in Bewegung und läuft nicht Gefahr einzurosten.

Dieser (Widerstand )Aufstand kann sich in verschiedensten Formen ausdrücken. In einen „(…) möglichen notwendigen unwahrscheinlichen spontanen wilden einsamen(…) Widerstand“ nur um einige Formen zu nennen.

Man könnte die strategische Macht und den Widerstand anhand einer Münze darstellen. Die eine Seite der Münze repräsentiert die Macht, die andere Seite dagegen den Widerstand. Keines der beiden Seiten der Münze kann ohne die jeweils andere Seite Bestand haben, weil das eine sich aus der anderen entwickelt bzw. aus der anderen resultiert. 

Disziplinierung nach Foucault

Für Foucault bedeutet „Disziplin“, die Körperkraft eines Individuums zu kontrollieren und sich seiner Kräfte zu bemächtigen. Die Disziplin ziele zudem darauf ab, ein Verhältnis der gegenseitigen Nützlichkeit zwischen Körper und Machtverhältnis zu schaffen.

Bei der Disziplinierung des menschlichen Körpers stünde nicht der Einsatz von brachialer Gewalt im Vordergrund, wie es am Beispiel der Zwangsarbeit der Fall wäre. Eher würde die Disziplin mit Hilfe einer technischen Raffinesse vorangehen, und am Ende (…) unterworfene und geübte Körper, fügsame und gelehrige Körper (…) zu fabrizieren.

Die Disziplinierung sollte zudem dazu führen, die Masse in Individuen abzugrenzen und jedes einzelne Individuum seinen eigenen Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Dadurch soll einer Unübersichtlichkeit Einhalt geboten werden. Ein weiterer Aspekt der Disziplin ist die Systematisierung in Diversen Bereichen (Armee, Krankenhäuser, Schulen…), die eine rasche Austauschbarkeit der Individuen ermöglicht.

Die Kontrollmöglichkeit wird gegenüber dem Individuum erheblich gesteigert und dies ist ein Beleg dafür, dass die Gesellschaft einem Raum der permanenten Überwachung gleicht. Zudem wird die Allgegenwärtigkeit der Macht von Foucault vertreten. Die Macht sei überall und kein monolithischer Block, der von einem zentralen Punkt aus agieren würde.

Eine Disziplinartechnik ist das von Foucault erläuterte Panoptikum. Das Panoptikum ist ein Gebäude, welches rund angelegt ist. Zentral befindet sich ein Wachturm, von dem aus man den ganzen Gefängniskomplex zu allen Seiten überblicken kann.

Die Gefangenen dagegen haben eine eingeschränkte Perspektive, da sie sich in ihren Zellen befinden. Sie können nur den Wachturm erblicken.

Das Panoptikum hat den Vorteil, das eine einzige Person, die Möglichkeit besitzt, über alle Inhaftierten zu wachen ohne dabei von ihnen gesehen zu werden.

Das Panoptikum würde all die Disziplinarprozeduren wie „durchrationalisierende Verhaltensabläufe“, „Kontrolle und fortlaufende Überprüfung“ und „normierende Sanktionen“beinhalten und anwendbar machen. Schlussendlich ist zu sagen, dass durch das Gefühl der ständigen Überwachung eine innere Disziplinierung stattfindet und sich das Individuum dem Druck einer permanenten Kontrolle hingibt und sich ihrer unterwirft. 

Fazit

Resümierend lässt sich über den Begriff der Macht laut Foucault sagen,  dass er ihn als allgegenwärtig bezeichnet. Macht stellt für ihn nicht nur ein Gebilde dar, sondern etwas, was überall erzeugt wird. Ein anderer Aspekt der Definition ist, dass Macht besonders mit Wissen agiert. Beide Ausdrücke seien unmittelbar miteinander verbunden und würden in einer Korrelation zu einander stehen. Der juridische Machtaspekt dagegen ist marxistisch angehaucht und drückt die repressive Haltung des Staates gegenüber dem Individuum aus. Aus der Erklärung der strategischen Macht kann man entnehmen, dass sie jener Aspekt des kriegerischen in der Definition ist. Aus dem strategisch/ kriegerischen würde sich der Widerstand emporheben und somit immer als Gegengewicht parat stehen. Und schließlich die Disziplinierung der Macht, welches in unserem Alltag immer auftauche. Die Disziplinierung hat zur Folge, dass aus uns austauschbare Individuen geformt worden sind und wir uns selber disziplinieren, da wir das Gefühl haben, dass wir der ständigen Überwachung ausgeliefert sind.

Eure Lina.

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