Beobachtungen

12 Apr

Wir ihr wisst, bin ich momentan im Ausland. D.h. in der Türkei. Und wie es sich für einen waschechten lifelong Ausländer gehört, bin ich fleissig am beobachten. Denn auch hier bin ich die Fremde. Und wie es sich für eine Fremde gehört, muss ich mich oft damit auseinander setzen, dass ich so bin wie ich bin.

Dazu zählen mein Akzent, meine Weltanschauung und mein Geschmack. Wenn ich anfange zu reden, dann schmunzeln meine Gesprächspartner recht schnell. Mir fällt das sofort auf aber ich ignoriere dies. Dann werde ich häufig gefragt, wo ich was studiert habe. Wenn ich dann offenbare, dass ich im Ausland geboren und aufgewachsen bin und ebenfalls dort mein Studium absolviert habe, dann heisst es oft „Ach, jetzt verstehe ich auch diesen Akzent.“ Wie die Leute wirklich über meinen Akzent denken, weiss ich nicht. Sie sagen zwar alle, dass er sympathisch, süss, anders, amüsant und individuell wirkt. Aber was sie wirklich denken, weiss ich nicht.

Und man sollte hier nicht so leichtfertig über Weltanschauungen sinnieren. Denn es bestehen extreme Blöcke. Entweder bist du für uns oder gegen uns. Das ist hier die Mentalität. Ziemlich befremdlich, wenn ich es mit meinem Umfeld aus Deutschland vergleiche. Dort ist der Bekannten- und Freundeskreis ziemlich bunt gemischt. Und diese Pluralität drückt sich auch in meiner Weltanschauung aus. İch weiss, wer ich bin und ich weiss, wie andere sind.

Aber wenn man hier etwas pepp reinbringt und ein paar politische Beispiele aus Lateinamerika aufzählt und im Anschluss scherzt, dass der eigene Geist wohl etwas Links angehaucht ist, wird man direkt als Kommunistin etikettiert. Und wenn man dann im Rahmen einer Hausaufgabe ein fiktives İnterview mit Nasrallah, dem schiitischen Generalsekretär der Hisbollah führt, ist man direkt İslamistin. So einfach geht es. Da bin sogar ich ziemlich überrascht.
Es muss endlich ein neuer Wind wehen. Entweder-Oder/ Schwarz-Weiss ist kontraproduktiv. Denn es führt nur dazu, dass man sich voneinander entfernt und in seinen eigenen Block zurück zieht. Das hat die Türkei in mehr als 40 Jahren erlebt. Wenn der Mächtige, den Schwachen unterjocht, entwickelt sich reiner Hass. So darf es hier nicht werden. İdeologien dürfen nicht über Menschen herrschen, denn dann vergessen alle die ethischen Werte.

Naja, eine weitere interessante Beobachtung ist, dass hier alle sehr oberflächlich sind. Die Frauen sind so unbeschreiblich künstlich und gestylt. Sogar mehr als gut ist. Jeder auf der Strasse sieht aus wie eine „Model“. Hier ist die Strasse tatsächlich ein Catwalk. İnsbesondere das Schuhwerk der Damen. Mindestens 8 Zentimeter und aufwärts. İrgendwie schwindelerregend. Denn ich bewunderte die Frauen, die bei -5 Grad, Schnee und extremem Glatteis auf den Strassen, ihre mega Stilettos ausführen. Oh la laa…
Es ist ein künstlicher Wettbewerb, der überall anzutreffen ist. Diese Fixierung auf das Aussehen ist auf lange Sicht zermürbend, weil die Frauen an den Erwartungen zerbrechen. Einige der Damen haben sich auch bei mir darüber beschwert, dass es einen fast unerreichbaren Maßstab gibt, den die Männer einfordern. Dabei würden die Herren nicht ansatzweise den Wünschen der Frauen gerecht. Wenn ich so das Straßenbild betrachte, kann ich das nur bestätigen. Dabei muss ich unweigerlich schmunzeln 🙂

So, bevor es noch in einem unendlichen Roman endet höre ich lieber auf. Das waren ein paar kleine Anekdoten und Beobachtungen. Demnächst gibt es wieder etwas mehr Herzschmerz. Denn ich bin umgeben von leidenden Menschen.

Eure Lina.

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