Krieg in Afghanistan

5 Dez
(http://www.rawa.org/temp/runews/rawagallery.php?mghash=dc96d38caecd6694eb17fc894bb73212&mggal=12)

Mir ist bewusst, das Bild ist mehr als verstörend. Aber so sehen die Folgen eines Krieges oftmals aus. Die Bilder von schweren Panzern, coolen Soldaten und Politikern in Uniformen werden oft in Zusammenhang mit der Kriegsberichterstattung genutzt.

Der Krieg in Afghanistan tobt jetzt schon seit zehn Jahren. Dieser Krieg hat uns Deutsche bis jetzt 33 Milliarden € gekostet. Die Stadt Bochum war mit 13 Millionen € an dem Krieg beteiligt. Momentan sind 50.000 ausländische Soldaten, dauerhaft in Afghanistan stationiert.

Eine besonders mutige afghanische Frau Malalai Joya spricht sich offen gegen den Krieg aus und scheut sich nicht klare Worte zu sprechen. Sie ist Politikerin und Menschenrechtlerin. 2005 wurde sie zur jüngsten Parlamentarierin und in die Loya Jirga (große Ratsversammlung) gewählt. Sie ist selbstbewusst und konsequent und scheute sich nicht, die kriminellen Warlords in der Loya Jirga zu kritisieren. 2007 wurde ihr von der Mehrheit des afghanischen Parlaments eine 3-jährige Sperre auferlegt.

Auf ihrem Vortrag in Bochum, erklärte sie, dass die 1. Afghanistan-Konferenz 2001 in Bonn eine Versammlung von Kriegsherren und Drogenbossen war, um den „Krieg gegen den Terror“ zu beschließen. Nun, am 5. Dezember 2011 sei es wieder soweit. Ausgesuchte Personen, des Marionettenregimes würden sich erneut versammeln um die Besatzung in Afghanistan zu legitimieren.

Man beachte die große Zahl an ISAF (International Security Assistance Force) Truppen. Im September 2011 umfasst die Zahl der stationierten Truppen 130.670.

Den Großteil bilden folgende Nationen:

USA                                90000
Großbritannien        9500
Deutschland       4998
Frankreich                 3935
Italien                          3918
Polen                            2580
Rumänen                   1948
Türkei                          1840
Australien                 1550
Spanien                      1523

Die soziale Situation ist erschreckend schlecht, obwohl die internationale Präsenz mit hohen Zielen, das in die Länge ziehen des Krieges legitimierte.

•  40% der Bevölkerung waren 2008 arbeitslos (Schätzungen des CIA Fact Books, andere Quellen geben noch höhere Zahlen an)
•    61% der Bevölkerung sind chronisch unterernährt
•    Die Lebenserwartung ist auf 43,1 Jahre gesunken
•    Die Alphabetisierungsrate (Erwachsene) ist von 28,7 % auf 23,5 % gefallen
•    Lediglich 13% der Afghanen haben gesicherten Zugang zu Trinkwasser

                                                                                                                                                                                  Quelle: IMI/DFG-VK

Was die Eskalation der Kampfhandlungen betrifft, sprechen die enormen Zahlen der Opfer unter der afghanischen Zivilbevölkerung für sich.
Es gibt einige offizielle Zahlen aber die Dunkelziffer ist um einiges höher. Die Zahlen der UNAMA (UN-Mission in Afghanistan) bzgl. Zivilopfer (Schätzungen auf Basis des ersten Halbjahres) :

2006:      929
2007:    1523
2008:    2118
2009:    2777
2010:    3250

Die Opfer unter westlichen Soldaten belaufen sich auf insgesamt 2607, darunter 53 deutsche Soldaten.

Malalai betont, dass die Gewalt gegenüber Frauen stark zugenommen hat. Laut BBC Persia hätten dieses Jahr schon etwa 2,800 Frauen Selbstmord begangen. Die Verbrennungen und Säureangriffe auf Frauen nehmen zu. Insbesondere an verheirateten Frauen.

Ein riesiges Problem sei die Korruption. Afghanistan hat etwa drei Milliarden $ an Bodenschätzen, sei aber das zweit korrupteste Land der Welt. Bereichern würden sich sowohl die Warlords, als auch die ausländischen Truppen. Afghanistan sei der Top Produzent von Opium. Seit 2001 sei der Anbau um 4400% gestiegen

Sie unterstreicht, dass das Angstszenario, wonach nach einem Truppenabzug, ein Bürgerkrieg folgen würde, nicht der Realität entspräche. Die bürgerkriegsähnlichen Szenarien seien jetzt schon vorhanden. Wenn die Truppen abziehen würden, füllen sich lediglich nicht mehr die Taschen der Kollaborateure. Aber auch die Bombardierungen durch die Nato-Truppen würden endlich der Vergangenheit angehören.

Junges Minenopfer aus Afghanistan (http://www.rawa.org/image19.htm)

Sie sagt, früher wurden die Gräueltaten im Namen des Sozialismus begangen, dann im Namen des Islams. Nun werden sie im Namen der Demokratie verübt.

Ich sage, die ausländischen Truppen müssen Afghanistan verlassen. Erst im Anschluss, kann eine neue und stabile Zivilgesellschaft aufgebaut werden. Es müssen klare Strukturen aufgebaut werden. Insbesondere ein Rechtssystem, was Straftaten ahndet und straft. Die Narben des fast 30-jährigen Kriegszustandes müssen endlich verheilen. Dafür braucht es Zeit.

Eure Lina.

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