Aktueller Einblick: Somalia

29 Nov

(Auf der Karte sind die unterschiedlichen Stämme und ihre Gewichtung abgebildet. Es ist gekennzeichnet, in welchem Teil Somalias, die diversen Stämme angesiedelt sind und die Mehrheit ausmachen. Quelle: http://www.geolinde.musin.de/afrika/pic/somalia_ethnic92.jpg)

Die Geschichte Somalias ist mehr als komplex. Es gibt sieben wichtige Stammesgruppen, ein großes Territorium und keine Infrastruktur. Und hinzu kommt noch der Bürgerkrieg der seit dem Sturz von Siad Barre 1991 existiert. Es gibt kein Staatsoberhaupt, keinen Regierungschef, keine Parteien aber dafür viele Bodenschätze. Ich möchte euch auf eine sehr informative und übersichtliche Karte des UNHCR aufmerksam machen. Es geht hier um die Masse an Bevölkerung, die aufgrund der gewalttätigen Auseinandersetzungen gezwungen ist zu flüchten. Und diese immense Zahl an Flüchtlingen und Vertriebenen belief sich im Oktober auf 41,000.

Kompakte Informationen:

•    Somalia ist einer der wenigen Staaten die nicht im Human Development Index verzeichnet sind
•    Die Bevölkerungszahl beträgt etwa 9,3 Millionen
•    27% der Bevölkerung benötigt humanitäre Hilfe
•    80% der Bevölkerung die Hilfe benötigt, befindet sich in Süd & Zentral Somalia, der humanitäre Zugang ist begrenzt möglich
•    Die Zahl der Vertriebenen lässt sich auf 1,4 Millionen Menschen schätzen
•    Mehr als 300,000 Personen konnten 2010 verzeichnet werden
•     2010 kamen $365 Millionen, von $596 Millionen, die bei der CAP beantragt worden waren an

Quelle: OCHA (United Nations Office fort the Coordination of Humanitarian Affairs)

In der wissenschaftlichen Terminologie wird Somalia als failed state bezeichnet.

„Staatszerfall wird als im aktuellen sicherheitspolitischen Kontext als Problem der Unsicherheit in der globalisierten Welt wahrgenommen, das die Bevölkerung im von scheiternder Staatlichkeit betroffenen Territorium ebenso gefährdet, wie auch indirekt durch Realitäten wie Fluchtmigration, organisierte Kriminalität oder Terrorismus die homeland security effektiver Staaten. Gleichzeitig wird im Diskurs der Human Security der traditionelle Fokusauf Sicherheit von Staaten abgelöst durch die Priorität der individuellen Sicherheit, des Wohlergehens und der Unversehrheit von Menschen auch und vor allem dort, wo scheiternde Staatlichkeit eben diese nicht gewährleisten (können). Als mögliche Reaktion auf das Staatszerfall wird die Legitimität des Eingreifens externer Akteure von (Wieder-)Herstellung der Sicherheit betroffener Bevölkerungen argumentiert. Stellt man die Frage, inwieweit externes Staaten-(Wiederauf)Bauen und Intervention als Reaktionen auf das Sicherheitsrisiko failed state in Zusammenhang mit der veränderten Verständnis von Sicherheit als human security gebracht werden kann, ergeben sich daraus eine Anzahl von weiteren Fragestellungen, deren Beantwortung relevante Zusammenhänge offenlegt.“ Quelle

Nun hören wir immer wieder in den Nachrichten, dass eine bestimmte Miliz in Somalia Unruhe schafft und mit Gewalt sowohl gegen die eigene Zivilbevölkerung, als auch gegen ausländische Hilfsorganisationen vorgeht. Erst heute konnten wir lesen, dass diese Miliz (al-Shabaab) das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, die Uno-Kinderhilfe Unicef, die Weltgesundheitsorganisation WHO und 13 weitere humanitäre Organisationen aus dem Land auswies mit der Begründung, dass sie die Grundpfeiler des islamischen Rechtssystems zerstören wollen.

Was ist die al-Shabaab laut der Definition aus der Süddeutschen vom 27. September 2011:

„Die somalische Gruppe al-Shabaab („Die Jugend“) ist eine radikal-islamische Miliz, die versucht, die vom Westen gestützte Übergangsregierung in Mogadischu zu stürzen. In den USA wird die Miliz seit 2008 auf der Liste der Terror-Organisationen mit Verbindungen zu al-Qaida geführt. Im Kampf gegen al-Shabaab haben zuletzt Truppen der Afrikanischen Union Erfolge erzielt, deren Mandat nun verlängert werden soll. Die Miliz gehört ursprünglich zur „Union der Islamischen Gerichtshöfe“ (UIC) einer Vereinigung somalischer Kräfte, der es 2006 erstmals gelungen war, Mogadischu zu befrieden und dort ein funktionierendes Rechtssystem aufzubauen. Die UIC wurde jedoch von Äthiopien und den USA als terroristische Gefahr eingestuft, weshalb Addis Abeba- mit Rückendeckung Washingtons- 2006 Truppen nach Somalia schickte. Die UIC verlor ihre Macht, doch der radikale Flügel namens al-Shabaab nahm den Untergrundkampf gegen die Äthiopier auf, die 2009 abzogen. Im Kampf gegen verhasste Invasoren erhielt al-Shabaab viel Zulauf, obwohl die Gruppe für drakonische Strafen bekannt war. Bis heute beherrscht sie den Süden und Teile Zentralsomalias und kämpft nun gegen das Übergangskabinett von Scheich Sharif Ahmed, der einst selbst den Islamischen Gerichtshöfen angehörte. Al-Shabaab verdient ihr Geld durch Steuern und Exportgeschäfte in Kismayu, ihrem wichtigsten Haften.“

Das Auswärtige Amt warnt schon seit Jahren vor der Reise nach Somalia. Aktuell heißt es:

„Besonders kritisch ist die Lage in Zentral- und Südsomalia, einschließlich der Hauptstadt Mogadischu. Neben der Gefahr gezielter Mordanschläge auf Ausländer und Entführungen ist dort stets mit Anschlägen (ferngesteuerte Sprengsätze, Granatbeschuss u.ä.) und bewaffneten Auseinandersetzungen zu rechnen. Diese ziehen auch Unbeteiligte in großer Zahl in Mitleidenschaft.“ Stand 29.11.2011

Die Lage Somalias kommt nicht von ungefähr. Es geht hier um sehr viel Macht. Das Horn von Afrika und der Golf von Aden sind ein Dreh- und Angelpunkt für internationale Geschäfte. Die undurchsichtigen Geschäfte, die dort stattfinden, sind für uns einfach Bevölkerung kaum zu erkennen. Die Leitmedien gehen oft gar nicht auf die speziellen Problematiken ein. Es heißt sogar, Somalia sei nicht zu helfen, ein hoffnungsloser Fall, bedauerlich für die Bevölkerung. Mit saisonalen Spendenaufrufen, ist dem fundamentalen Problem in der Region nicht bei zu kommen. Es fehlt an einer städtischen Infrastruktur, einer Bildungsstruktu. Es fehlen einfach klare Strukturen, die nicht von heute auf morgen implementiert werden können. Diese müssen sich entwickeln und durch gesellschaftliche Zusammenarbeit entstehen. Ohne die natürliche Entwicklung der Gesellschaft, ist eine nachhaltige Stabilität nicht zu gewährleisten.

Eure Lina

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