Wenn Handcreme zur Bedrohung wird

20 Sep

Beginnen möchte ich mit einer sehr treffenden Anekdote, die mir mein Vater immer wieder gerne erzählt. Es sind Arztgeschichten aus England. Hierbei wird die Absurdität der Regelkonformität auf den Punkt gebracht. ‚Zwei Chirurgen unterhalten sich nach einer Operation. Sagt der eine zum anderen. Dies war eine erfolgreiche OP. Technisch vorbildlich. Nur leider ist der Patient gestorben.‘

Neulich an einem Flughafen in Deutschland. Wie wir wissen, sind die Kontrollen und Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen, seit dem 11. September noch stärker als je zuvor. Und dennoch ist mir etwas aufgefallen, was mich ziemlich stutzig gemacht hat.

Mein Arbeitskollege und ich waren dabei unsere Dienstreise anzutreten. Auf dem Weg zum Flughafen ist ihm aufgefallen, dass die Gültigkeit seines Personalausweises abgelaufen war. Eine andere Möglichkeit der Ausweisung war nicht möglich. So beschlossen wir unser Glück zu versuchen und dennoch ein zu checken, unbeeindruckt durch die Horrorgeschichten von strengen Sicherheitsbehörden und Bodenpersonal. Wir mussten feststellen, dass wir bei Fluggesellschaft X durch die Verifizierung unseres Personalausweises, an unser Boardingticket gelangten. Aufgeregt und mit der Angst, den Flug nicht antreten zu können, sahen wir den Tatsachen ins Auge. An dem digitalen Check-In Terminal sollte sich alles entscheiden. Nach bangen Sekunden, das verblüffende Resultat- das Boardingticket. Äußerst überrascht ging es weiter zu den besonders erfreulichen Leibeskontrollen.

Wie hätte ich ahnen sollen, dass meine halb leere Handcreme mir später zum Verhängnis werden sollte. Der freundliche Mann an der Kontrolle versicherte mir, dass meine Handcreme kein Sicherheitsrisiko darstellen würde. Immerhin sei sie halb leer auch wenn auf der Auszeichnung 125ml stehen würde. Weitere Flüssigkeit hatte ich nicht bei mir. So traten wir unseren Flug an.

Nun ging ich davon aus, dass der zeitnahe Rückflug ebenfalls keine Komplikationen bereiten würde. Doch weit gefehlt. Erneut konnte mein Arbeitskollege mit seinem abgelaufenen Personalausweis einchecken. Und bei der Kontrolle zeigte ich ganz selbstbewusst meine halb leere Handcreme vor. Plötzlich hieß es, ich müsste sie entsorgen. Da staunte ich nicht schlecht. Auf meine Frage, mit welcher Begründung erhielt ich eine pampige Antwort. Dies sei Vorschrift und die Handcreme sei mit 125ml ausgezeichnet. Ich machte die Dame darauf aufmerksam, dass die Tube halb leer sei und ich beim Hinflug keinerlei Probleme bekommen hätte. Dies sei ihr egal, Vorschrift sei Vorschrift. Und außerdem glaube sie mir nicht. Allen Erklärungen zum Trotz, dass ich erst heute früh geflogen und es ohne Logik wäre, den Flug erneut mit Handcreme zu tätigen, wohl wissend, dass es ein Fehler sei, keinen Sinn ergeben würde. Nein, die Lady blieb eisern und machte aus dem ganzen Augenblick eine Staatsaffäre, bei der es fast den Anschein hatte, es gehe um Leben und Tod.

Entnervt und leicht gereizt musste ich meine geliebte Handcreme entsorgen. Unter den spöttischen Blicken von zwei kantigen Securitys, die mich ansahen als, ob sie die Welt nicht mehr verstünden. Dabei liegt es auf der Hand, was meinen Unmut auf sich zog.

Nämlich die dumpfe und blinde Regelkonformität. Genau wie im Beispiel mit den Ärzten. Mittlerweile sind wir so stark von dicht gewebten Regelnetzwerken eingespannt, dass wir kaum logische und unlogische Vorgehensweisen unterscheiden können. Der ganze Sicherheitswahn hat uns dermaßen verblendet, dass wir kaum das wesentliche wahrnehmen können.

Der abgelaufenen Personalausweis und eine offensichtliche Handcreme werden auf die gleiche Stufe des Sicherheitsrisikos gestellt. Dabei ist es erschreckend, dass Dank der Hilfe moderner Technik mein Arbeitskollege überhaupt die Möglichkeit bekam einchecken zu können. Bei der Kontrolle durch einen Menschen, wäre das abgelaufene Datum und der somit ungültige Ausweis aufgefallen. Und dass ich im Hinflug mit Handcreme reisen und auf dem Rückflug die selbige entsorgen muss, bringt den Irrsinn des gesamten Sicherheitssystems auf den Punkt.

Erneut wurde mir durch diese Episode des Lebens bewusst, dass wir uns zu häufig mit kleingedrucktem beschäftigen und dabei das wesentliche völlig außer acht lassen. Es war eine technisch höchst erfolgreiche OP. Doch leider ist der Patient gestorben.

Eure Lina.

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2 Antworten to “Wenn Handcreme zur Bedrohung wird”

  1. hati September 25, 2011 um 10:46 #

    hauptsache stress wegen einer handcreme xD

    • linawunderlich September 27, 2011 um 13:38 #

      Also gib acht Hatice. Handcreme birgt mehr Gefahren in sich, als wir erahnen können 😉

      Übrigens hast du einen sehr schönen Blog. Mir gefällt dein Layout. Die Thier-Galerie werde ich demnächst auch mal besuchen. Vielen Dank für die Fotos.

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