Wie die unglücklichen Menschen, die glücklichen schlagen konnten

13 Jun

Eigentlich wollte ich einen Beitrag über das Thema ‚Überglückliche Menschen und ihr Nervigkeitsgrad‘ verfassen. Wollte meinem Zynismus und Sarkasmus freien Lauf verschaffen und mich köstlich über diese ewig glücklichen Menschen amüsieren. Dass sie eine Art reale ‚Glücksbaerchis‘ sind, die ewig strahlend durch das Leben gehen und nur Sonnenlicht versprühen. Ja, diese Menschen sind zwar recht nett aber nach etwa 5 Minuten sind sie nicht laenger ertraeglich- zumindest für missmutige Menschen 😉

Aber dann habe ich mich eines besseren besinnt und gespürt, dass es Themen mit einer höheren Prioritaet gibt, über die ich berichten könnte. Sich über glückliche Menschen lustig machen fand ich letztendlich etwas schwach.

Einen höheren Stellenwert haben beispielsweise die Auseinandersetzungen im Königreich Bahrain. Ein Inselstaat, bestehend aus 33 Inseln mit einer Flaeche, nicht einmal so gross wie das Hamburger Stadtgebiet. Der Grossteil der 1 Millionen starken Bevölkerung ist Schiitisch, anders als in den umliegenden Nachbarstaaten wie Saudi-Arabien und Qatar. Die herrschende Königsfamilie dagegen ist Sunnitisch. Aktuell wurde das Auftaktrennen der Formel-1-WM-Session von Bahrain, nach heftigen Protesten auch deshalb abgesagt. Mehr als verstaendlich, wenn man das Vorgehen des Militaers gegen die Zivilbevölkerung betrachtet. Die Protestwellen in Tunesien und Aegypten, hatten in den vergangenen Monaten auch den Inselstaat erreicht. Doch im Gegensatz zu den beiden anderen Staaten, wo die herrschenden Marionetten Ben Ali und Mubarak gestürtzt werden konnten, wurde die Protestbewegung in Bahrain auf brutale weise niedergeschlagen, u.a. mit der Hilfe Saudi-Arabischer Militaerintervention. Bei dem verwendeten Kriegsmaterial soll es sich laut Amnesty İnternational um Schweizer Waffen handeln. Das ganze ereignete sich im Maerz. International wurde keine kritische Stimme laut.

„Seither verschwinden Oppositionelle spurlos, stehen Journalisten und Ärzte vor Gericht, werden Zeitungen gleichgeschaltet, sterben politische Gefangene in der Haft. Das Königshaus soll gar schiitische Moscheen eingerissen haben.“  (Zeit Online)

Die Gründe für das stillschweigen der westlichen Gemeinschaft lassen sich damit begründen, dass das saudische Erdölgeschaeft nicht gefaehrdet werden sollten und auch im geostrategischen Kampf gegen den Iran, die saudische Front gesichert werden muss. Die Aufrüstung der Golfstaaten hat eben seinen Preis. Erschreckend ist auch die Berichterstattung über die Festnahme von Aerzten und Krankenhauspersonal, die schwerverletzte Demonstranten behandelt haben sollen.

„A total of 24 doctors and 23 nurses working at Salmaniya hospital were in May referred to the court on a number of charges. BNA state news agency said Monday that 20 of the defendants, including four women, were accused of possessing non-licenced arms, occupying the hospital, seizing medical equipment and calling for regime change. Twenty-eight of them, including five women, face charges of spreading false news about the number of casualties in the police crackdown on protesters, in addition to taking part in „gatherings“, BNA added.“  (The Telegraph)

Nun hat sich sogar das Weisse Haus bereit erklaert, sich zu der ganzen Ungerechtigkeit und unmenschlichen Situation zu aeussern. Kronprinz Sheikh Salman bin Hamad al-Khalifa soll Repekt gegenüber den universellen Menschenrechten zeigen.

Wow. Alle Achtung. Im Vergleich zu dem Vorgehen gegenüber Lybien wirkt es recht abgedroschen, unaufrichtig, falsch und heuchlerisch! Das steht fest. Abschliessend möchte ich ein sehr geeignetes Schlusswort zu der Lage in Bahrain aus der Zeit zitieren.

„So wird ewiger Hass gesät. Zwischen Opposition und Königshaus. Zwischen Schiiten und Sunniten. Zwischen Reformern und Reaktionären. Wer kann diesen Irrweg stoppen? In Bahrain haben die USA ihren wichtigsten Flottenstützpunkt zwischen Mittelmeer und Indischem Ozean. Sie sehen mit an, wie sich die Insel von einem Laboratorium des Parlamentarismus allmählich in eine Militärdiktatur verwandelt. Bahrain, das ist die dunkle Rückseite der arabischen Revolutionen.“

Eure Lina.

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4 Antworten to “Wie die unglücklichen Menschen, die glücklichen schlagen konnten”

  1. Mehmet Doğan Juni 14, 2011 um 11:40 #

    Okudum… Başlangıç cümlerindeki kurgu mükemmel olmuş.
    Yazı kurgusal bir giriş yaparak tasarlanmış ve reel ortamlara sürüklüyor insanı… Kalemin gün be gün iyi bir hal alıyor!
    Gönlüne ve kalemine sağlık..

    • linawunderlich Juni 14, 2011 um 13:37 #

      Ich bedanke mich für Ihre herzlichen und aufmunternden Worte Herr Dogan! 🙂

  2. Abdi Te Juni 14, 2011 um 20:20 #

    Im Endeffekt ist dein Text schließlich doch eine Kritik am glücklichen Menschen, der auf Kosten des Glücks anderer, versucht sein Glück aufrechtzuerhalten. Oft wollen Menschen nicht auf einen Bruchteil ihres Glückes verzichten, wenn ein anderer dadurch von der Grube des Unglückseins herausgezogen werden kann. Glück führ also oft zu Geiz?

    • linawunderlich Juni 14, 2011 um 20:41 #

      Also deine Interpretation ist sehr tiefgründig und Philosophisch. Ich dachte eher daran, dass die unglücklichen Menschen aus Bahrain, die glücklichen Menschen (aus meinem Umfeld) über die ich mich auslassen wollte, geschlagen haben. Denn letztendlich habe ich mich dafür entschieden, dem Unglück Vorrang zu gewaehren. 😉

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