Sozialer Brennpunkt

7 Mrz

Soziale Brennpunkte sind gerne mal im Fokus der Medien, wenn es negatives zu berichten gibt. Über die positiven Entwicklungen wird dagegen recht sperlich berichtet. Denn das Credo lautet: Only bad news are good news! Das Interview mit einem gebürtigen Marxloher Studenten soll aus der Insider Perspektive, Fremden den Duisburger Stadteil Marxloh (ca. 18.ooo Einwohner) näher bringen. Er erlangte Berühmtheit durch seinen hohen Migrantenanteil (etwa 36%)  und die 2008 eröffnete DITIB-Merkez-Moschee.

 

Lina: Sie sind wohnhaft in Marxloh. Wie empfinden Sie die dortige kulturelle Situation?

Herr K.: Sehr vielfältig und angenehm, ich möchte nicht übertreiben aber ich würde dazu neigen es sogar als vorbildlich für andere Sradtteile zu bezeichnen.

Lina: Wieso vorbildlich? Wodurch machen Sie das fest?

Herr K: Durch Beobachtungen, die eigentlich jeder machen kann der lediglich 10 Minuten zu Fuß durch Marxloh unterwegs ist. Wohlbemerkt, nicht Nachts um 1 uhr, sondern tagsüber wenn das Leben hier stattfindet. Man bemerkt,  dass die Leute teilweise wie in einer Großstadt/Metropole aneinander vorbei laufen. Man beäugt sich nicht gegenseitig und ist keinen Blicken ausgeliefert, denen man sonst als Fremder  ausgeliefert wäre. Die Leute pöbeln nicht, verjagen einen nicht durch ihre Blicke.  Ganz im Gegenteil. Der Marxloher ist gewohnt, dass nicht Marxloher in ihrem Stadteil unterwegs sind und fühlt sich durch diese Personen weder bedroht noch in Angst versetzt.

Lina: Sie haben eben den Vergleich gezogen, dass Marxloh wie eine pulsierende Großstadt ist. Könnten Sie uns evtl. Gründe hierfür nennen?

Herr K: Man bemerkt, dass sich in Marxloh einiges zum positiven  entwickelt hat. Auf den Hauptstraßen befinden sich keine leeren Ladenlokale mehr. Es ist keine Geisterstadt im Vergleich zu anderen Stadtteilen Duisburgs. Teilweise ist es nervig mit dem Auto durch Marxloh zu fahren, weil es immer eine Rush Hour gibt, wie in einer Großstadt. Die Straßen und Menschen die Handel treiben sind lebendig, der Einzelhandel boomt. Ich denke es gibt keinen Händler in Marxloh der rote zahlen schreibt. Vor allem an Wochenenden ist zu beobachten, dass Marxloh ein wichtiger Handelsort für viele aus dem Umfeld ist und dem nahen Ausland wie die Niederlande.

Lina: Wem oder was hat der Stadtteil dies zu verdanken?

Herr K: Man muss hier erwähnen, dass der Stadteil dies den Investoren mit Migrationshintergrund zu verdanken hat. Während große Kaufhäuser, und Bankfilialen Marxloh verlassen haben, haben einige Migranten den ersten Schritt getan und sich Ladenlokale gemietet. Zwar haben die meisten klein angefangen aber festgestellt, dass ein unheimliches Potential in „ihrem“ Marxloh steckt, das keiner mehr haben wollte.

Lina: Auf der anderen Seite ist Marxloh auch gefürchtet, wegen der illegalen Aktivitäten, die sich dort abspielen. Sind diese denn für den einfachen Bewohner offensichtlich sichtbar?

Herr K: Der einfache Bewohner fühlt sich nicht sonderlich bedroht wie dies immer angenommen wird. Man nimmt sicherlich kriminelle Aktivitäten wahr. Z.B. dass mal ein Autoradio geklaut wird, wie überall sonst auch. Oder,  dass Jugendliche in Parks Marihuana konsumieren oder Leute  sich angepöbeln. Aber große kriminelle Machenschaften kann Ihnen selten jemand nennen. Es ist mehr dieses „ich hab mal gehört“. Jeder könnte Ihnen in Marxloh erzählen was mal vor so vielen Jahren passiert ist und wer was gesehen hat. Aber wenn es darum geht zu sagen wann zuletzt etwas war, das noch in Erinnerung ist, dann werden sie merken, dass im Grunde nur Sachen erzählt werden die ewigkeiten her sind. Niemand wird Ihnen bestätigen können, dass alle 2 Wochen kriminelle Handlungen ablaufen. Hier gibt es genau so viele Straftaten wie im Sauerland.

Lina: Also muss man nicht um sein Leben fürchten, wenn man durch Marxloh läuft?

Herr K: Sicherlich nicht, aber machen Sie sich selbst ein Bild. Sie werden positiv überrascht sein.

Lina: Welche Ecken sind denn besoders Sehenswert?

Herr K: Wenn man schon mal in Marxloh ist gibt es für junge Damen mit Heiratsplanung natürlich die Brautmodenmeile mit unzählige n Brautmodengeschäften, die eine vielzahl an modischen Brautkleidern und Abendgarderoben bieten. Die wunderschöne Moschee mit ihrer Begegnungsstätte, der Jubiläumshain eine wunderschöne Parkanlage um etwas von hecktischen Alltag weg zu kommen, und zahlreiche Restaurants die leckeres bieten.

Lina: Sie zeichnen ein positives Bild von Marxloh, einer Erfolgsgeschichte also. Glauben Sie, dass Stadtteile mit hohem Migrantenanteil die Erfolgsstory Marxlohs wiederholen könnten?

Herr K: Ich denke schon, sobald man sich mit dem Stadtteil identifiziert und solang man mut zum Wandel und zu Erneuerungen hat, die Erfolgsgeschichte von Marxloh ist sehr einfach. Sobald der Stein ins Rollen gebracht ist, kommt der Rest viel einfacher. Marxloh hat sich nicht verschlossen sondern nach außen hin geöffnet und man könnte sagen es ist vorbildlich was sich hier getan hat.

Lina: Ich bedanke mich recht herzlich für das Gespräch.

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