Schenken macht Freude?

18 Feb

Erst kürzlich meinte ein Freund zu mir, er mag es nicht sonderlich, wenn man ihm Geschenke macht. Er verspüre wesentlich mehr Freude, wenn er die Möglichkeit bekomme, andere beschenken zu können. Eine, wie ich finde sehr noble Einstellung. Dennoch schenken die meisten Menschen Gegenstände. Sei dies nun zu feierlichen Anlässen oder einfach aus der Spontanität heraus. Die Frage, ob das Geschenk dem Gegenüber Freude bereitet oder doch nur eine peinliche Berührtheit entstehen lässt, ist variabel. Manchmal trifft man den Geschmack, ein anderes mal ist es ein absolutes Desaster. In der Regel bedankt man sich höflich.

Doch was macht man, wenn man ein Herz geschenkt bekommt? Jeder hat diese Erfahrung gemacht. Man hat sein Herz einmal verschenkt. Wie geht es weiter, wenn der Gegenüber den Wert und die Tragweite des Geschenks nicht erkennen kann? Wenn er es gar belächelt, auf die leichte Schulter nimmt und leichtfertig damit umgeht? Im schlimmsten Fall spielt er uns etwas vor, so dass wir das Gefühl bekommen, er würde es schätzen. Und in einem ungeahnten Moment, wenn man besonders euphorisch und glücklich ist, sagt er uns, dass alles nur eine Illusion war. Die Konfrontation mit der ‚Realität’ kann unterschiedlich geschehen. Dennoch ist sie in jedem Fall bitter und schmerzhaft. Manchmal kann man es sich nicht aussuchen, wem man sein Herz schenkt. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich. Es kann die Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung sein. Aber auch richtiges Interesse und Gefallen am Gegenüber. Leider gibt es keine Garantie dafür, dass das Herz immer angenommen wird. Wenn wir es leichtfertig verschenken, müssen wir auf alles gefasst sein. Auch auf Abweisung und Ablehnung.

Wenn man unser Herz letztendlich nicht möchte, dann hat man es nicht verdient. Es klingt sehr abgedroschen, trifft aber den Kern. Bevor wir etwas hergeben, nur weil wir selber davon überzeugt sind, sollten wir uns klar werden, ob es auch das beste für unser Herz ist. Der gesunde Menschenverstand sollte niemals auf Eis gelegt werden, auch wenn unser Herz manchmal eine andere Sprache spricht. In der Welt da draußen sprechen die wenigsten Menschen die Sprache des Herzens. Auch wenn dies nun düster klingen mag, ist es dennoch eine von vielen Wirklichkeiten. Wenn uns demnächst jemand sein Herz schenken möchte, sollten wir behutsam mit der Situation umgehen. Auch wenn wir es nicht annehmen wollen stehen wir in der Pflicht mit offenen Karten zu spielen und auf angemessene weise unseren Standpunkt zu erläutern. Soviel Kummer und gebrochene Herzen sind das Resultat von Eitelkeit und Angst. Wenn wir andere verletzten, verletzten wir auch immer ein Teil in uns. Nur bemerken wir die Auswirkungen erst später, manchmal sogar sehr viel später. Doch dann ist es zu spät und die Wunden sind entstanden. Ob der Heilungsprozess von Erfolg gekrönt ist, sei dahingestellt. Angeblich heilt die Zeit die Wunden. Dennoch wissen wir alle, dass dem nicht so ist. Nur fangen wir mit der Zeit an zu vergessen und neue Erinnerungen reihen sich in eine lange Kette von Erlebnissen ein. Somit rücken die schmerzvollen nach hinten. Dass sie nicht vergessen werden ist gewiss.

Seid deshalb sehr wählerisch und euch immer bewusst, wem ihr was schenkt. Manchmal kann es passieren, dass die Wertschätzung nicht die Erwartungshaltung decken kann.

Eure Lina.

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