Schwäche

12 Nov

Oft werden wir Zeugen von Ungerechtigkeit, die anderen widerfährt. Und oft verschließen wir die Augen und können das Leid, was anderen zugefügt wird nicht ertragen. Wir rennen weg. Sei es physisch oder psychisch. Unser Gewissen erdrückt uns. Wir wissen weder ein noch aus. Dennoch fliehen wir vor der Verantwortung einzugreifen und zu handeln. Doch fragt man die meisten Mensche, wie sie reagieren würden, wenn vor Ihren Augen eine Ungerechtigkeit geschehen würde, würde die Mehrheit behaupten einzugreifen. Die Realität sieht dagegen anders aus. Wir sind oft zu feige, als dass wir dazwischen gehen. Sind gelähmt, vor dem was sich vor unseren Augen abspielt. Wollen dazwischen gehen, doch die Angst um unser eigenes Wohlergehen stemmt sich dagegen. Riesige emotionale Betonklötze lasten auf unseren Körpern. Nicht einmal der Gedanke an eine Bewegung ist möglich. Obwohl wir Herren unserer Sinne sind und beobachten, wie sich das Elend vor uns abspielt. Weder das Opfer noch, der Beobachter sind nach der Tat dieselben. Bei beiden, hinterlassen die Geschehnisse ihre Spuren. Tiefe Gräben entstehen. Und verursacht, durch das schlechte Gewissen des nicht Handelns entsteht eine Abneigung gegenüber dem Opfer. Man beginnt, das Opfer zu verachten. Man sah die Schwäche und Hilflosigkeit des Opfers und wurde Zeuge seiner Unterlegenheit. Letztendlich ist das Resultat der Verachtung die persönliche Passivität während der Tat. Man beginnt sich selber zu hassen. Darauf folgt die Projektion der Sammlung an negativen Emotionen auf das eigentliche Opfer. Er ist das personifizierte Gewissen. Bei jedem Anblick des Opfers, wird man sich seiner eigenen Niederträchtigkeit und Schwäche bewusst. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, muss das Opfer beseitigt werden. Das Opfer ist schwach und genau diese schwäche wird verachtet. Aber der eigentlich Schwache ist der Beobachter und seine Feigheit, die ihn jeden Augenblick seines Lebens verhöhnt. Es ist aber schwer sich einzugestehen, dass man Schwach war und ist. Manchmal vergehen Monate und Jahre bis man seinen gesamten Mut zusammen nehmen kann, um sich seiner Schwäche zu stellen. Es kommt eine neue Gelegenheit in der man seine Schwäche und Angst überwinden könnte. Wird diese Chance genutzt, kann man sich den Geistern der Vergangenheit stellen. Zwar ist es nicht möglich, das Geschehene aus der Vergangenheit wieder gut zu machen. Dennoch kann verhindert werden, dass es zu einer erneuten Ungerechtigkeit kommt. Denn Courage zu zeigen ist häufig schwieriger als viele vermuten. Oft entscheiden einige Minuten darüber, ob man ins Geschehen eingreift oder sich zurück hält. Die Welt braucht Menschen, die im Angesicht von Ungerechtigkeit und dem Missbrauch von Macht nicht versteinern, sondern erwachen und einschreiten. Auch wenn dies, Konsequenzen mit sich bringen würde.

Eure Lina.

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2 Antworten to “Schwäche”

  1. mitfühlender November 14, 2010 um 17:46 #

    deine schönen Ausführungen erinnern mich daran, dass den Opfern immer wieder gerne ne „Mitschuld“ oder „negative Eigenschaften“ angedichtet werden, um das eigene Gewissen zu beruhigen. zum Beispiel bei den sinti und roma in frankreich, „was sie wurden vertrieben?“ „mitten in Europa heute sowas noch möglich?“ — „auf der anderen seite sind ja schon viele von ihnen kriminell“ => Gewissen beruhigt!

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