Gutes Kopftuch, Schlechtes Kopftuch

11 Nov

Manchmal, wenn man durch die Stadt spaziert, im Bus sitzt oder bei Aldi einkaufen geht, dann sieht man sie. Sie sind gestreift, blumig, glänzend, matt, einfarbig, mehrfarbig. „Kopftuchmädchen“ wie sie Sarrazin so liebevoll nennt. Manchmal hat man das Gefühl, sie sind überall. Aber manchmal sucht man sie vergeblich.
Immer häufiger werde ich Zeugin kontroverser Diskussion über die Kleidung von Kopftuchträgerinnen. Bashing lautet das Zauberwort. Dann geht’s hoch her. Von Rocklänge bis hin zur Bindetechnik wird alles gnadenlos kritisiert. Nicht bindende Rechtsurteile werden gesprochen und sich auf ein hohes, moralisches Ross geschwungen. Da bleibt kein Auge trocken. Auf den Köpfen der Mädchen und Frauen wird die Welt in Gut und Böse unterteilt. Auf der einen Seite Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer und Konsorten, die das Kopftuch als reines politisches und unterdrückendes Symbol deuten und jede Trägerin als potentiell islamistisch betrachten. Auf der anderen Seite eine ganz tolle Fraktion von Frauen, die i.d.R. kein Kopftuch tragen, aber gerne darüber entscheiden, wie man es zu tragen hat. Und dabei lassen sie keine Lästerattacke aus. Anstatt etwas allgemein zu kritisieren, wird die ‚flippige’ Muslima zur ‚Kopftuchschlampe’ par excellence. Sie raucht, trägt zu kurze Kleider/Röcke, ist stark geschminkt und redet laut am Telefon und stöckelt auf ihren hohen Hacken durch die City. So weit, so gut. So ein Auftreten ist definitiv nicht lady like und wirkt mehr als bizarr. Dennoch sollte man bei der Abstufung von Menschen Vorsicht walten lassen. Viele Mädchen und Frauen machen oft genug verrückte Phasen in ihrem Leben durch.
Wenn man einer Muslima auf den besseren Weg im Leben helfen möchte, dann gelingt es bestimmt nicht durch Nase rümpfen und lächerlich machen. Gute Ratschläge und liebevolle Worte können einen Menschen viel eher erreichen. Anderweitig entstehen lediglich neue Barrieren.
In diesen Kontext passt der Spruch: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Manche werfen mit Backsteinen um sich und sind verwundert, wenn das Resultat ein Scherbenhaufen ist. Junge, aufgeklärte und weltoffene Muslime sollten eigentlich weniger anfällig für Vorverurteilungen anderer und das Verharren in festen Klischeebildern sein.
In erster Linie gilt es, die Kopftuchträgerin in dieser Gesellschaft zu etablieren. Weg davon, was auf ihrem Kopf ist und lieber einen Blick riskieren, was sie darunter zu bieten hat. Natürlich bezogen auf ihre Kompetenzen 🙂

Eure Lina.

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